Wenn Du Ökumene betreiben möchtest, dann gehe in Jerusalem Kaffee trinken
Ganz so einfach ist es natürlich nicht, aber daran musste ich denken, als der Propst der evangelischen Erlöserkirche bei unserem Besuch am Mittwoch Abend von seinen Kontakten zu Bischof und Kantor der armenisch-apostolischen Kirche in Jerusalem erzählte, mit denen er sich praktische jede Woche bei sich oder im armensichen Seminarzum Kaffee trifft.
Mir wurde nochmals einiges klarer:
Wer mit anderen Leuten über ihre Religion reden möchte, muss zu allererst sich selbst kennen und dann die Gesprächspartner kennen – dies geschieht sehr gut beim Kaffee – und dies ist bei der religiösen Vielfalt hier in dieser Stadt sehr gut möglich. Dieser erste Schritt, den auch wir hier im Studienjahr im Moment gehen, ist immens wichtig und interessant: Den anderen mit seinen Gewohnheiten und Denkweisen detailliert kennen, das ist die conditio sine qua non für alles Weitergehende. Wer den anderen kennt, lernt ihn auch zu respektieren. Und davon ausgehend kann man vom reinen Austausch dazu kommen, Gemeinsamkeiten auszuloten und ggf. Gemeinsames zu initiieren (im religiösen Fall gemeinsame Gebete u.Ä.). So können ein Austausch und ein Miteinander entstehen und im günstigsten Fall zum Einssein führen (Wie? Die Wege des Herrn sind unergründlich...), auch wenn sich jede Art von Kompromissen und Verhandlungen über Glaubenssätze natürlich verbietet.
Propst Grube erzählte von dem Zusammengehörigkeitsgefühl der westlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften im (griechisch-)orthodox dominierten christlichen Jerusalem und davon, dass der Staat Israel Wert auf gute Beziehungen zu den verschiedenen Gruppierungen des Christentums legt.
Die Erlöserkirche, an der er als Vorgesetzter aller deutschen Pfarrer in Jordanien, Palästina und Israel wirkt, wurde Ende des 19. Jahrhunderts von deutschen Protestanten an der Wiege des Johanniterordens gebaut, denn diese hatten hier in der Kreuzfahrerzeit ihr Hospital aufgebaut. Das Gebiet um die Kirche hat seit dem Frühchristentum eine Johannes-Tradition (d.h., ein hl. Johannes wird hier verehrt), so kam es zu dem Ordensnamen – wieder einmal ein interessantes Detail der Geschichte, welches man hier mitbekommt.
Am Donnerstag gab es vertraute Sternsingerklänge in der Messe:
Zwar kann man Epiphanie „nirgendswo so authentisch feiern wie in Bethlehem oder im Kölner Dom“ (Kardinal Meisner), aber eine Delegation des Sternsingerwerks ist auf Wallfahrt im Heiligen Land und besuchte die abendliche Messe in der Dormitio. Vor dem Schlusssegen erklang der alte Klassiker „Seht ihr unsern Stern dort stehen“, dazu das Glockengeläut der Orgel. Herrlich! Das hat mich echt glücklich gemacht.
Anstatt eines Referates über das politische System Israels werde ich ein Sozialprojekt machen: In Emmaus I (da, wo wir zuerst waren) bei en Salvatoriannerinnen in der Behindertenbetreuung. An mindestens zwei Wochenenden werde ich dort mit leben. Ich freue mich drauf. So bekomme ich einen Einblick in das Leben hier und die Arbeit mit Behinderten macht mir Spaß.
Heute Abend beginnen die Feierlichkeiten zum Ende des Ramadan, der am Sonntag/Montag zu Ende geht. Ich bin gespannt, wir wollen die Geschehnisse von Dächern in Jerusalem aus beobachten. Aber vorher steht noch Arabisch auf dem Programm.