"Misch masbut"

Veröffentlicht auf von yerushalayimshelzahav

Das war der bleibende Eindruck der ersten Arabisch-Stunde. „Misch masbut“ heißt lediglich „nicht richtig“, aber wegen der eindrucksvollen typisch arabischen Phonetik war es das Highlight der Stunde und wurde zum geflügelten Wort in der Gruppe. Eine interessante Sprache ist es allemal, mal sehen, was draus wird...

Nun beginnen die Prüfungen: Bei P. Körner, der über islamische Eschatologien gelesen hat, müssen wir den Brief eines Muslimen beantworten, der das Christentum in Frage stellt. Dazu müssen wir einen Antwortbrief verfassen: Nachvollziehen, warum der Muslim so denkt, wie er denkt, und aus christlicher Sicht seine Argumente widerlegen. Wirklicher, realitätsnaher interreligiöser Dialog wird hier verlangt – sehr wertvoll!

Am Freitag Abend bekamen alle Interessierten eine Einführung ins Ministrieren in der Abteikirche. Am Montag Morgen bin ich zum ersten Mal dran – ich freue mich drauf, endlich mal wieder messdienen! J

In der Nacht von Freitag auf Samstag feierten die Muslime die „lajla al-qadr“, die heilige Nacht, in der sie der Herabkunft des Koran gedenken. Dazu versammeln sich tausende Menschen auf dem Tempelberg und beten gemeinsam, dazu sind die Läden bis tief nachts offen und die Straßen übervoll. Auf den Tempelberg durften wir natürlich nicht, und wegen des Gedrängels auf den Straßen sind wir auch schnell wieder umgekehrt. „Natürlich“ sah man hauptsächlich Männer auf den Straßen.

 

Samstag Abend um 16 Uhr: 9 Studienjahrler machen sich auf den Weg zu einer Kaupzinerkirche, denn wir sind zur Hochzeit des Sohnes unserer Köchin eingeladen. Die Messe ist auf Arabisch, die Leute uns unbekannt. Der Pater bestätigt, was Nasra, unsere Arabisch-Lehrerin, uns zu Beginn der ersten Stunde gesagt hatte: Arabisch ist eine harte Sprache, man muss schreien. Eine Orgel gibt es nicht, also muss ein Keyboard, das Synthesizer-Klänge hervorbringt, herhalten. Die Garderobe der Gemeinde: Blaues Ballkleid, rotes Minikleid, Abendkleid mit sehr weitem Schlitz an den Beinen...

Bei der anschließenden Gratulation gratuliert man hier nicht nur dem Brautpaar, sondern auch Trauzeugen, Eltern, Geschwistern, Schwägern, Großeltern etc. So stand eine Reihe von 15 Menschen vor uns, denen wir allesamt gratulierten.

 

Die Luft hier in Jerusalem ist anders als im schönen flachen Rheinland. Erstens ist sie verdreckt, zweitens ist sie dünner, da wir hier auf ca. 800m ü.N.N. liegen. Das merkt man so manches Mal.


Nun sind schon zwei Wochen rum – unglaublich! Die erste Vorlesung bei P. Körner ist vorüber. Als Prüfung schreiben wir einen Brief, der die Kritik eines Muslims an der Plausibilität des Christentums erwidert. Dabei sollen wir das in der Vorlesung angesammelte Wissen verwenden, um seine Argumentation nachzuvollziehen. Eine wirklich praxisnahe und interdisziplinäre Aufgabe, die anspruchsvoll und spannend ist!

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