Wander-Wüste-Wind-Woche

Veröffentlicht auf von yerushalayimshelzahav

Eine Woche ohne Blogeintrag, das hat seinen Grund: Die Woche war voll.

Aber der Reihe nach.

Am Sonntag bin ich zum ersten Mal in die sog. Neustadt (in den jüdischen Teil) gegangen. Welch Befreiung! Hier merkt man erst, wie eng, laut und religiös durchdrungen die Altstadt ist. Ganz anders auf der Jaffa Road, wo neuerdings eine Straßenbahn fährt und Läden, wie man sie aus Deutschland kennt, sich aneinanderreihen.

Die Woche war von der Vorlesung von Prof. Küchler, NT-Professor in Fribourg, bestimmt. Er führte uns bis ins Detail kompetent durch diverse archäologische Relikte und historische Epochen Jerusalems. Erst kananäisch gewesen, wird es ab ca. 1000 v.Chr. von David eingenommen und jüdisch geformt. In unserer Zeitrechnung herrschten, unterbrochen von den Kreuzfahrern, über 1000 Jahre lang muslimische Herren. So hat jeder einen Grund, sein Recht auf Jerusalem zu proklamieren.

Detailliert beschrieb er das Wachsen und Schrumpfen Jerusalems und die verschiedenen Teile der Stadtmauer.

Auf dem Ölberg (die Tour: Freitag, 7 Uhr bis 16.30 Uhr), zur Zeit Jesu ein Erholungsgebiet für die Jerusalemer Bevölkerung, besuchten wir den Garten Getsemani mit der abgetrennten Verratsgrotte, die Kirche Dominus flevit (hier soll Jesus seine Weherufe über Jerusalem geäußert haben), die Eleona (die konstantinische Basilika-Ruine, die als erste den Ort der Himmelfahrt markierte und heute als Ort, an dem Jesus das Vater unser sprach, verehrt wird), sowie Grabmäler im Kedron-Tal (dies trennt Jerusalem und den Ölberg), u.a. den Felsen der Steinigung des Stephanus. Alle diese Orte haben eine bestimmte Tradition, aber die wenigsten können einer historischen Plausibilitätsüberprüfung standhalten.

Mittagsrast machten wir bei französischen Benediktinerinnen. Dies ist deswegen eine Erwähnung wert, weil es schon das dritte Mal war, dass wir bei französischen Benediktinerinnen einkehrten und stets eine deutsche Schwester dort antrafen, die uns empfing. Die Klöster, die wir besuchen, sind stets wahre Oasen der Ruhe, des Friedens, des Gebetes, der Beschaulichkeit und der Natur. Wunderbar, wunderbar!

Mit der Zeit stellt sich eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit Jahrtausende alten Steinen ein, die einen zugleich fasziniert und beunruhigt...

Vom Ölberg hat man einen wunderbaren Ausblick auf Jerusalem!

 

Dass das Studieren hier anders ist als an der Uni, habe ich diese Woche nochmal gemerkt. Nicht nur, dass man mit den Dozenten bei Tisch über allgemein-theologische Themen oder Studiengänge redet. Prof. Körner ist mit mir spazieren gegangen, weil er wissen wollte, was ich mit meinem Studium später machen will und hat mir dabei sowohl inhaltliche als auch organisatorische Hinweise gegeben.

Sein Abschiedsabend hier war herzlich. Als Islamwissenschaftler bekam er von uns einen Wecker in Form einer Moschee, dessen Ton der Ruf des Muezzins ist...

 

Am Donnerstag ging es in die Wüste, ins Wadi Qelt, das zwischen Jerusalem und Jericho liegt.

Aufbruch um 5 Uhr, um 5.50 Uhr sitzen wir auf einem Berg mit Blick über das Wadi. Stille. Die Vögel singen. Ein Händler kommt auf einem Esel geritten, da er Touristen gewittert hat. 6.05 Uhr: Die Sonne geht auf.

Nach einer kurzen Morgenandacht ziehen wir los. Hügel rauf, Hügel runter, an Hügeln entlang, zwischen Hügeln durch. Was wir dabei sehen, ist faszinierend: Ein altes Aquädukt, Nomadenzelte, eine Ziegenherde mit Hirte, einen Wasserlauf, Häuser. Und viele berge, viele Steine, viel Natur.

Unser Ziel ist das St. Georgskloster, an einen Felsen gebaut, in der Wüste. Es wird von der griechisch-orthodoxen Tarphos-Bruderschaft, einem sehr konservativen Orden, genutzt. Der Gastbruder betrachtet uns, lässt uns dann eintreten. Wir dürfen uns Wasser und Saft nehmen und die Kapelle, mit schöner alter Ausmalung, anschauen. Unser diszipliniertes Verhalten und eine Spende lassen uns in seiner Gunst steigen. Er zeigt uns auch eine in den Felsen gehauene Kapelle, wo der Prophet Elija gewohnt haben soll (1 Kön 16). Beeindruckend.

Danach gibt es ein mitgebrachtes Picknick (jeder hat etwas getragen), dann geht es noch sehr steil hoch zu einem Aussichtspunkt, an den überraschenderweise ein Parkplatz anschließt. Dort holt uns der Bus wieder ab.

 

Am Montag habe ich zum ersten Mal hier ministriert - eine schöne Möglichkeit, endlich wieder als Messdiener aktiv zu werden!

 

Am Freitag Abend haben unsere beiden Studienassistenten gemeinsam Geburtstag gefeiert, mit Grillen, Musik, Lichterketten, Getränken. Ein schöner Abend zum Abschluss einer anstrengenden Arbeitswoche.

 

Mittlerweile sieht man hier vermehrt Wolken am Himmel und nimmt einen gewissen Luftzug wahr – es ist bestimmt 2 Grad kühler geworden.

Werbung
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post