Was sonst noch so war
Gestern Abend war ich das erste Mal in den Bars der Neustadt unterwegs. Man sah nicht wenige junge Männer mit Kippa (der jüdischen Kopfbedeckung) dort, die abgesehen davon aber gekleidet waren wie europäische Altersgenossen auch. In den sog. „Clubs“ und Discos geht es genauso schlimm zu (für meinen Geschmack) wie in Deutschland auch. Es ist nicht so, dass mich die säkulare Prägung vieler Israelis total überrascht, aber es ist doch einer Erwähnung wert. Bier ist hier teurer als in Deutschland, es gibt aber durchaus einheimische Biersorten: Taybeh (ein christliches Dorf in der Westbank), Goldstar (das günstigste, kölschähnlich im Geschmack) und Maccabi (pilsähnlich, Sponsor der Fußballvereine von Haifa und Tel Aviv).
Hier auf den Fluren im Beit Josef ist das Leben sehr offen: Meist stehen die Türen der Zimmer offen und fördern so die „Kommunikation zwischendurch“.
Gestern haben wir festgestellt, dass wir Katholiken hier uns doch in mancherlei Ansicht unterscheiden. Richtige „Flügelkämpfe“ gibt es aber nicht, es bleibt auf der Ebene des Austausches.
Ich habe noch gar nicht von meiner Erfahrung in der Grabeskirche letzten Sonntag erzählt: Wir gingen dort zu zweit zur Messe der Franziskaner (sie vertreten die katholische Kirche in dieser multikonfessionellen Kirche) um 18 Uhr hin.
In der Kapelle der Franziskaner fand vorher noch eucharistische Anbetung statt, die sowohl von Touristen als auch von Pilgern (hier ist ein Unterschied zu machen, ja) besucht wurde. Um kurz vor 18 Uhr zogen die Armenier singend in Prozession durch ihren Teil der Kirche und hielten eine Andacht. So vermischte sich ihr Gesang mit dem Klang der Orgel der Franziskaner. Auch während der folgenden Messe hörte man noch den Gesang von draußen. Die Grabeskirche ist berühmt-berüchtigt dafür, dass sich die verschiedenen Konfessionen hier gegenseitig „eins auswischen“, wo immer es geht. Völlig unnötig, finde ich.
Die Messe selbst (in Italienisch) war zügig, aber liturgisch von äußerster Korrektheit.
Einen abschließenden Eindruck von der Grabeskirche habe ich mir aber noch nicht bilden können.