Studientag Judentum
Den Donnerstag über hatten wir einen Studientag zu den verschiedenen Strömungen des Judentums mit einer von nur 20 Rabbinerinnen in Israel, die eine teils deutsche Familie hat. Viele Riten und Bräuche wurden uns hier detailliert erklärt. Sie ging mit uns besonders auf das „conservative movement“, ihre Strömung, ein. Englische Begriffe sind im heutigen Judentum nichts Ungewöhnliches, da es stark durch amerikanische Juden beeinflusst ist.
Wir lernten rabbinisches Denken und Schriftgut mit den Methoden kennen, wie sie in einer Jeshiva (einer Torahschule) angewandt werden: lautes Rezitieren des Lehrtextes in Gruppen, danach Nachdenken über den Sinn des Gelesenen und seine Logik.
Einige Erkenntnisse und interessante Beobachtungen inhaltlicher Art möchte ich hier erwähnen:
Juden halten die Gebote (aus der Torah genommen, immer wieder kommentiert und ausgelegt durch Rabbinen) weil diese göttlich sind und Regeln für die Beziehung zu Gott. Für manche ist es aber auch einfach nur die Tradition und die Familie, die sie die Gebote bewusst oder unbewusst (wenn in konservatives Milieu hineingeboren) halten lässt.
Frauen haben, je nach Auslegung, weniger bis viel weniger Rechte als Männer, dies sieht man auch an der Sitzordnung in orthodoxen Synagogen, in denen die Frauen auf einer Empore sitzen.
Auch Juden können die ihnen auferlegte Gebetsleistung an einen Rabbiner (oder sonstigen Mann) übertragen. Dies war im 7. Jh. der Beginn der Entwicklung des Ablasswesens im Christentum.
Das Gebetsverständnis weist Parallelen zum katholischen auf: Der Rabbiner gibt Melodie und Takt der Gebete vor, die er aber nicht für andere betet, sondern diese beten mit und erfüllen ihre Gebete selbst. Hier kann man das eucharistische Hochgebet als Vergleich anführen: Der Priester betet vor für die Gemeinde, die ihrerseits aber auch mitbetet und mitfeiert.
Im orthodoxen Judentum (hier sind die Ultraorthodoxen eine Unterströmung) wird über das Thema Homosexualität geschwiegen.
Das Leben nach der Halachah (die „Gehrichtung“, die die Gebote und ihre Auslegung umfasst) gibt manchmal Probleme auf. Manchmal muss man schauen, wie man ein an sich eindeutiges Gebot so umwandeln kann, wie man es für sinnvoll hält.
Das Gebot der Sabbatsruhe bedeutet im Leben nicht unbedingt „Ich darf nicht“, sondern oft auch „Ich muss nicht“.
Die Rabbinerausbildung, die 5-7 Jahre dauert, scheint sehr straff zu sein.
Die Schläfenlocken, die einige Ultraorthodoxe haben, haben keine religiöse Bedeutung, sondern gehen auf osteuropäische Lokaltraditionen zurück.