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Veröffentlicht auf von yerushalayimshelzahav

Nach längerer Zeit wieder ein Eintrag.

 

Die deutschen Volontäre, die meist über den Deutschen Verein vom Heiligen Land hierhin kommen, sind gut vernetzt. So waren bei der Geburtstagsparty am Samstag auch Leute aus anderen Einrichtungen in Jerusalem und den umliegenden Städten da.

Abends hat uns David, der Hausmeister, eine fachmännische Einführung in die Vorbereitung und das Rauchen von Wasserpfeifen gegeben.

Hier ertönt täglich mindestens einmal das Lied „Guten Abend, gute Nacht“ vor dem Fenster, morgens, nachmittags... Obskur.

 

 

Am Montag Morgen nahm ich um 7.30 Uhr, noch vor dem Beginn der großen Pilgerströme, am lateinischen Hochamt der Franziskaner in der Grabeskirche teil. Zu dieser Zeit dürfen sie an und in der Grabnische selbst Messe feiern. Dies war schön; unvorteilhaft ist aber, dass der Priester während der Eucharistiefeier in dem Raum des Grabes selbst steht und man ihn nicht sieht und schlecht hört. Mir gegenüber saß eine Ordensschwester in weißer Bluse, violetter Weste, violettem Rock, weißen Strümpfen in weißen Nike-Turnschuhen mit violetten Streifen und violetten Schnürsenkeln – Impressionen aus einer bunten Stadt. Die Franziskanerbrüder sangen, wie von Italienern gewohnt, trotz der frühen Stunde kräftig für alle mit. Um 8.07 Uhr war die Messe vorbei – solche Messen sind schön, aber ein bisschen mehr Stille zwischendurch wäre wünschenswert.

Am Mittwoch Morgen, dem Fest des Evangelisten Matthäus, feierte eine Pilgergruppe aus Herzogenrath im Bistum Aachen dort ihre Messe mit ihrem Pfarrer, deswegen waren die Schriftlesungen auf Deutsch. Als ich im Anschluss einen Herrn nach der Herkunft der Gruppe fragte, stellte sich auch heraus, dass er ein Cartellbruder von Novesia Bonn ist – großartig!

Außerdem war ein Mann in der Messe, der so aussah, wie Jesus in Filmen dargestellt wird: lange Haare, Bart, weißes langes Gewand, von einem Gürtel gehalten, barfuß.

Am Mittwoch feierten die Kopten hinter dem Grabesbau in der Rotunde (das ist der ihnen zugeteilte Bereich) der Grabeskirche auch Liturgie zu der Zeit, als die Franziskaner am Grab selbst feierten. Folge war, dass die Orgel der Kirche die Kopten übertönte und dass der Gesang der Kopten die Lesung übertönte. Wie es in Ostkirchen oft gemacht wird, gingen die Kleriker das Weihrauchfass schwenkend umher. So kam es, dass ein Kopte gerade dann, von seiner Liturgie her umhergehend, seitlich vom Grabbau stand und das Fass schwenkte, als auch der Messdiener nach der Wandlung das Weihrauchfass erhob. Da man vom Hochgebet nichts mehr hörte, bekam man draußen nur über eine Kommunikationskette mit, was die Priester drinnen gerade taten: Der Messdiener kniete davor, konnte, wenn er den Kopf schief hielt, sehen, was sie drinnen gerade taten (Wandlung, Elevation der Gaben etc.). Dementsprechend inzensierte er oder stand auf oder fing an, das Geheimnis des Glaubens zu singen. Sobald man dies mitbekam, konnte man auch selbst einsetzen.

So geht es zu in der Grabeskirche... Eine Schande für das Christentum, aber es sind alle seit Jahrhunderten verbohrt. Mit Kompromissen ließe sich vieles regeln und würdiger gestalten.

Der Cartellbruder lud mich zur Messe der Gruppe am Donnerstag um 7 Uhr auf Golgota (das ist eine Empore in der Grabeskirche selbst) am Kreuznagelaltar ein. Sie wurde in der außerordentlichen („tridentinischen“) Form gefeiert– welch glücklicher Zufall. Da die Gruppe nur 30 Minuten Zeit für die Messe erhielt und es außerdem ein normaler Wochentag war, wurde gar nicht gesungen, was bedauerlich war. Ich bin kein riesiger Fan dieser außerordentlichen Messform, aber sie hat einige gute Elemente und wenn ich ab und zu die Gelegenheit bekomme, an ihr teilzunehmen, freut mich dies.

Insgesamt erlebe ich hier viele schöne überraschende Dinge.

 

Ich habe zur geistlichen Erbauung und Fortbildung begonnen, die Benediktsregel zu lesen und führe dabei ein „Lesetagebuch“, in dem ich sowohl Inhaltliches als auch Gedanken dazu aufschreibe. Das werde ich alles zusammen posten.

 

Die Sinai-Wanderer sind mit großartigen Bildern, lustigen Geschichten und einigen Beobachtungen zur Gruppendynamik zurückgekehrt! J Auf einmal sind wieder so viele Menschen hier...

 

Unsere Gruppe ist theologisch und spirituell natürlicherweise nicht homogen. Eine Entdeckung (ja, ich muss es so nennen) der letzten Tage ist, dass auch einige evangelische Kommilitonen großen Wert auf liturgische Form legen. Da gibt es oft mehr Gemeinsamkeiten von katholischen und evangelischen Formliebhabern als innerhalb der Konfessionen zwischen Formliebhabern und denen, die freie Formen bevorzugen.

 

Was in den letzten Tagen im Vorfeld des Papstbesuches besonders zum Thema Ökumene gesagt worden ist, finde ich zum Großteil sehr gut und erfreulich klar: Man isoliert sich nicht, aber hält Grenzen ein.

Die Berichterstattung heute am ersten Tag jedoch war schlecht: Die immer gleichen klassischen Themen wurden von Kirchenkritikern, die, wie es mir scheint, das Lehramt gar nicht verstehen wollen oder nicht zuhören, vorgebracht und ins Rampenlicht gestellt. „Bekämpfung von Homosexuellen und wiederverheiratet Geschiedenen“ – das ist schon fast diffamierend.

 

Eine bemerkenswerte Beobachtung beim Rosenkranzgebet: Die Geheimnisse des schmerzvollen wie auch des glorreichen Rosenkranzes lassen sich an Orten in Jerusalem lokalisieren, man kann quasi in Gedanken durch Jerusalem gehen beim Beten.

 

Zur Kleiderordnung in der Abteikirche: Einige meinen, man müsse hier nicht die sonst üblichen Kleiderordnung (Schultern und Knie bedeckt) halten, da wir hier in der Abtei ja wohnen und die Kirche also unser Zuhause ist. Für mich ist das Kirchengebäude hingegen immer noch ein Gotteshaus und kein Wohnhaus.

 

 

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