Ruhiges Alltagsleben
Am Sonntag habe ich komplett an den Gebetszeiten der Brüder teilgenommen, d.h. Vesper um 18 Uhr am Samstag, 20 Uhr Vigil, 6.30 Uhr Laudes, 9 Uhr Messe, 12 Uhr Mittagshore, 18 Uhr Vesper, 20 Uhr Komplet.
Den Montag habe ich zum Großteil im Zimmer verbracht, dann in der Cafeteria bei und mit den dort arbeitenden Volontären.
Abends hatten die Borromäerinnen vom Deutschen Hospiz Mönche und Volontäre zu einem Grillabend eingeladen, zu dem ich mitgehen durfte. Zusammen mit den Bewohnern, den Volontären und den Schwestern wurde im riesigen Garten gegrillt, Bier getrunken und dazu urdeutsche Musik gehört – damit meine ich ausnahmsweise keine bayerische Blasmusik, sondern Musik von vor 100 Jahren und Ähnliches.
Es sind neue Volontäre angekommen, eine Kunstlehrerin aus Ost-Berlin im Sabbatjahr und ein Abiturient, der von Gott und Kirche gar nichts hält und den Rosenkranz seines Kreuzes beraubt („Das fand ich nicht schön.“) und die Kette als Schmuck trägt.
Generell haben die Volontäre, die nach Israel einreisen wollen, im Moment Probleme. Einige erhalten Touristenvisa für 2 Wochen bis 3 Monate, andere werden direkt wieder nach Hause geschickt, wieder andere kommen ohne Probleme rein.
Nach meinen Beobachtungen tragen die Kinder von normalen Schulen, nicht die Talmudschulen (der Talmud ist die eine Auslegung der Tora, es sind also sowas Ähnliches wie Bibelschulen), die die Ultraorthodoxen besuchen, hier als „Schuluniform“ immer ein T-Shirt der Schule.
Am Freitag bin ich durchs jüdische Viertel zur Klagemauer gegangen. Ich mag es im jüdscihen Viertel, es ist so ruhig. An der Klagemauer habe ich zum ersten Mal meine Kippa getragen – ein besonderes Gefühl. Ich bin aber wieder nicht bis an sie herangegangen, sondern bin 5m davor stehengeblieben. Um 16 Uhr machten alle Läden zu – der Shabbat fing an.
Samstags bin ich an der Stadtmauer außen rum bis zum Löwentor im Nordosten der Altstadt gelaufen. Dort war ich zuerst an der Mariengeburtsstätte orthodoxer Tradition. Ein Mann saß davor mit seiner Frau und seinem Kind, der mir 5 Shekel Eintritt abnahm. Also stieg ich hinunter in zwei übereinanderliegende Höhlen, die eine soll der Geburtsort Mariens sein, die zweite Joachims (ihr Vater) erstes Grab. Beim Ausgang führte derselbe Kerl mich noch in die Kirche, in der er mir Devotionalien verkaufen wollte. Kurz dahinter beginnt die (unhistorische) Via dolorosa. Zuerst ging es ins Franziskanerkloster, in der die Kirchen der Verurteilung und Geißelung Jesu stehen. Die dritte und vierte Kreuzwegstation ist im armenischen Patriarchat, dort ist von 8-20 Uhr jeden Tag die Möglichkeit eucharistischer Anbetung. Die nächsten Stationen waren alle geschlossen, die Via dolorosa endet in der Grabeskirche.
Zwischendurch machte ich einen Abstecher in Nebenstraßen, wo Araber wohnen – ein normales Wohnviertel mit spielenden Kindern.
Mit den Volontären hier ist es richtig nett. Ich esse mit ihnen, treffe sie bei der Kirche, schaue abends mit ihnen Fernsehen. Heute Abend gibt’s eine Geburtstagsparty.
Am Montag kommt der Rest des Studienjahres wieder. :-)