Ökumene
Ein Eingangsstatement zu diesem wichtigen Thema hier:
Das Studienjahr ist ökumenisch konzipiert. Jeder Christ weiß um den Schmerz, den die Trennung der Christen voneinander bereitet. Die volle, sichtbare Einheit ist eine große Vision, die es zu verwirklichen gilt. In Zeiten der Konfessions- und Abendmahlstrennung, zum Teil sogar innerhalb der Konfessionen (die Selbstständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK) hat z.B. keine Abendmahlsgemeinschaft mit den Gemeinschaften der EKD) ist die Trennung aber eine nicht zu leugnende Realität.
Im Abendmahlssaal, in dem das EINE der Christenheit besonders zum Ausdruck kommt, sagte unsere Studiendekanin sinngemäß den Satz: „Die Einheit können wir nicht herstellen, sie besteht bereits, wir sind alle Leib Christi. Wir müssen die Einheit nur sichtbar machen.“ Wahre Worte.
Meiner Meinung nach ist Eucharistiegemeinschaft in der Gegenwart aber nicht der richtige Weg. Es besteht diese Trennung, gerade in der Eucharistie: Nicht nur, dass der Glaube an die Realpräsenz Christi im eucharistischen Brot nach meinem Wissen etwas Unprotestantisches ist (zumindest ist das Eucharistieverständnis ein Anderes), sondern auch der ekklesiologische Charakter der Eucharistie (der/die Kommunizierende stellt sich sichtbar in Einheit mit den im Hochgebet genannten Ortsbischof und dem Heiligen Vater) bleiben bei der Interkommunion unbeachtet.
Der Schmerz der Trennung kann auch Ansporn sein, auf die Einheit, die noch nicht besteht, hinzuarbeiten. Interkommunion täuscht eine Einheit vor, die noch weit entfernt ist.
Es gibt andere Möglichkeiten, das Verbindende und die Einheit sichtbar zu machen; dazu zähle ich gemeinsame Gebete zu unserem allen Herrn, Bibellektüre (auch wenn die Hermeneutiken hier wieder auseinandergehen) und dergleichen.
Bzgl. des Kirchenverständnisses muss man sagen, dass in allen christlichen Gemeinschaften natürlich das Streben nach Heiligkeit und einem christlichen Leben zu finden ist. Allerdings gibt es für alles Definitionskriterien, und diese darf man auch für den Kirchenbegriff anwenden. Deshalb halte ich es für legitim, dass man von Kirchen und von kirchlichen Gemeinschaften spricht und Nicht-Gleiches auch nicht gleich bezeichnet.
Der Austausch und das Zusammenleben und -beten hier mit den evangelischen Kommilitonen ist aber wichtig, interessant und bereichernd und inspirierend. Ich meine damit nicht nur den geistlichen Austausch, sondern auch gegenseitige Information über Strukturen, Eigenheiten usw..
Eine „Ökumene der Profile“, wie es heißt, macht klar, wodran noch gearbeitet werden muss. Aber natürlich darf man dabei nicht stehenbleiben.
So stellt einen das Studienjahr vor verschiedene Herausforderungen (s. auch die anderen Einträge) und bringt einen weiter.