Der Zion - die Nachbarschaft

Veröffentlicht auf von yerushalayimshelzahav

Wer kennt nicht das Lied „Tochter Zion“ oder den Begriff „Zionismus“. Gemeint ist der Berg Zion in Jerusalem, Jerusalem als Ganzes sowie das ganze Israel. Der Zion ist seit Jahrtausenden der Identifikationspunkt von Judentum und Christentum. An diesem Ort die Wallfahrtspsalmen (die nach Jerusalem, zum Zion, zum Tempel führten) zu beten, ist ganz besonders.

Hier geht es um den christlichen Zion. Ursprünglich wurde damit der Südosthügel der Stadt, auf dem David seine Stadt baute, bezeichnet. Dann bezeichnete er den Tempelberg, dann den Nordwesthügel und heute schließlich den Südwesthügel der Stadt...

Am Dienstag haben wir ihn erkundet. Zwei Sachen sind von Bedeutung: Seine Enge und seine komplizierte religiöse (und deshalb auch archäologische) Vergangenheit.

Her befindet sich der Abendmahlssaal (zur Zeit Jesu lag der Zion innerhalb der Stadtmauer, deshalb ist denkbar, dass er hier einen Raum von einem Jünger zur Verfügung gestellt bekam und auch Maria hier, am Sammlungs- und Orientierungspunkt der Jünger, verstorben ist), direkt darunter das Grab des Königs David, der Ort des Pfingstgeschehens sowie, worauf auch die Abtei zurückgeht, der Ort des Hauses und der Entschlafung Mariens. Außerdem sollen hier die Gebeine des ersten Märtyrers Stephanus gelegen haben sowie Jakobus, der Herrenbruder, mit der Familie Jesu gewohnt haben. Einige Traditionen gibt es aber auch an anderen Orten in Jerusalem (z.B. den Abendmahlssaal sowie das Grab des Jakobus bei den Armeniern auf der Innenseite der Stadtmauer).

Diese Traditionen sind alle zu verschiedenen Zeiten entstanden, man könnte sagen, immer dann, wenn ein bestimmtes Ereignis besonders wichtig wurde und es eines Ortes dafür bedurfte. Es ist nicht auszuschließen, dass hier wirklich der Abendmahlssaal zu sehen ist (es gibt archäologische Zeugnisse einer liturgischen Nutzung seit spätrömischer Zeit), aber, oft spielt auch das mittelalterliche Verständnis eine Rolle: Dort, wo man eines Ereignisses gut gedenken konnte (da spielen auch politische Herrschaften im Heiligen Land eine Rolle), dort wurde das Ereignis auch lokalisiert (Außerdem rekonstruierte man z.B. die via dolorosa (den Kreuzweg) anhand des Jerusalems des 4. Jahrhunderts, welches aber anders als das zur Zeit Jesu war). Deshalb ist der Zion, der heute unmittelbar vor den Toren der Altstadt liegt und nicht mehr in ihr drin, ein Ort von hoher religiöser Bedeutung, auch sein historischer Wert ist nicht zu unterschätzen. Allerdings sollte man immer bedenken, dass sich das allermeiste aus biblischer Zeit nie mehr mit Gewissheit sagen lassen wird.

Es sind Orte, an denen man hier zum Urchristentum und seinen Stätten geistlich vordringen kann und die deshalb eindrucksvoll sind, aber leider gibt es keine Gewissheit, dass es die tatsächlichen Orte sind (dafür sind auch die Evangelien an vielen Stellen zu unhistorisch und von religiösen Vorstellungen geprägt).

 

 

Bruder Josef zeigte uns auch das kleine Seminar der Tarphos-Bruderschaft samt Friddhof quasi „nebenan“, Mauer an Mauer mit der Dormitio. Ein paar Schritte weiter unten liegt das Studienhaus eines amerikanischen Studienprogramms (wir freuen uns auf Fußballduelle!), das im 19. Jahrhundert ursprünglich von dem preußisch-anglikanischen Bistum (so etwas gab es kurze Zeit) gebaut wurde. Auf dem Friedhof liegen sowohl englische als auch deutsche als auch hebräische Lutheraner begraben, darunter viele Gefallene aus dem 1. Weltkrieg.

Nebendran sind die Reste des sog. „Essener-Tors“ zu finden, das Pater Bargil aus der Abtei vor 35 Jahren freigelegt hat. P. Bargil begegnet einem hier öfter: Er verstand es, verschiedene Informationen zu kombinieren und dadurch einige biblische Orte plausibel zu bestimmen.

Von der Rotunde der Abteikirche, auf die wir noch geführt wurden, hat man einen schönen Blick auf die ganze Altstadt, den Ölberg und die restlichen Stadtteile.

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