De oratione II
Am Montag feierten Katholiken das Hochfest Mariae Himmelfahrt. Wir begannen unser Studienjahr mit dem Hochamt in der Dormitio. Wo sonst kann man dieses Fest besser begehen als an der Stätte der Entschlafung und Himmelfahrt Mariens (so die alte Jerusalemer Tradition, eine andere lokalisiert das Geschehen in Ephesus)? Nach der Messe zogen wir in die Krypta, um dort die Kräuter zu segnen (eine Tradition, die an das Gute in der Schöpfung und die heilende Kraft Mariens erinnern soll) und Mariens Todesstätte zu verehren.
Danach gab es noch ein nettes Beisammensein vor der Kirche.
Die Messe am Dienstag Morgen in der Frühe im Chorraum mit den 11 Mönchen und insgesamt 5 Besuchern war ebenfalls schön.
Hier wird noch der gregorianische Choral gepflegt, d.h. dass die festen Bestandteile der Messe (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei) werden auf Latein in gregorianischer Weise gesungen (das macht es umso nötiger, dass ich singen lerne). Gleiches gilt für das Tagzeitengebet.
Der Friedensgruß erfolgt hier nicht durch einfaches Handreichen, sondern man verbeugt sich voreinander, nimmt sich auf Distanz gegenseitig in den Arm, wünscht sich den Frieden, verbeugt sich wiederum und gibt den Wunsch dann an den Nächsten weiter. Anstatt der Hostien, die man aus Deutschland kennt, wird hier dickeres Brot, welches wirklich Teig enthält, verwendet (natürlich auch ungesäuert).
Der Friedensgruß wird vom zelebrierenden Priester an zwei andere Priester weitergegeben, die dan ihrerseits den Gruß weitergeben zum Nächsten etc.
Das Ehre sei dem Vater wird hier folgendermaßen gebetet: „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, dem einen Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“ Das geht darauf zurück, dass man hier in der Stadt der drei großen monotheistischen Weltreligionen ein Zeichen der Verbundenheit setzen möchte. Aus dem gleichen Grund ist das Nachtgebet teils mit ostkirchlichen und muslimischen Elementen gestaltet.
Ich freue mich, diese für mich neue Form der Liturgie kennenzulernen. Die Mönche hier nehmen sich (nicht unerwartet) viel Zeit für die Liturgie, mehr, als man es von Gemeindemessen gewohnt ist.
Es wird immer normaler, an der Sterbestelle Mariens zu sein. Zu normal?
In Jerusalem gibt es Gemeinschaften vieler verschiedener Sprachen, sodass für jeden etwas dabei ist. Jedoch habe ich auch gedacht, dass hier eine Zelebration in lateinischer Sprache schön wäre, denn so wäre ein jeder nicht auf eine Kirche verwiesen, sondern könnte zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten die Messe besuchen und würde eine einheitliche und vielen verständliche Sprache vorfinden.