Die Abtei
Bruder Josef, der Gastbruder der Abtei (auch ein Düsseldorfer! :) ), hat uns eine Führung durch das Gebäude und die Geschichte der Abtei gegeben. Die „Idee“ der Dormitio entstand um die Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert. Der Kaiser wollte auch, wie die Franzosen, Italiener etc., eine katholische Institution im Heiligen Land haben (vorher hatte er bereits die protestantische Erlöserkirche auf der vermeintlichen zweiten Mauer Jerusalems in der Nähe der Grabeskirche und die Auguste-Viktoria-Kirche gegenüber des Ölbergs bauen lassen). In der Tradition Karls des Großen machte er die Benediktiner (die aus der Abtei Beuron) zu seinen wichtigsten Geistlichen und so wurden 3 Mönche aus Beuron nach Jerusalem geschickt auf den Berg Zion (dementsprechend ist heute hier die Umgangssprache deutsch). Hier hatten schon eine byzantinische und eine Kreuzfahrer-Kirche gestanden, die jeweils den ganzen Zion überspannten. Nach Ankunft der Mönche fing man mit dem Kirchbau an, in viel kleineren Dimensionen als früher. Architekt war der Kölner Diözesanbaumeister, der den Turm in Kreuzfahrerstil (d.h. mit orientalischem Einfluss) baute. Es ist ein Rundbau, der der Aachener Pfalzkapelle nachempfunden ist (die Abtei und das Grundstück gehören dem Erzbistum Köln, welches es vom Deutschen Verein vom Heiligen Lande übertragen bekam; dieser entstand aus einem Kölner und einem Aachener Verein). In den Seiten des Rundbaus sind verschiedene Altäre, einer davon ist der sog. „Kölner Altar“, da der Kölner Erzbischof auch immer Präsident des Heilig-Land-Vereins ist. Die Wände, die aus dem schönen, hellen Jerusalemer Stein gemacht sind, sollten ursprünglich mit Marmor verziert werden, ebenso ist für die Decke eine Verzierung geplant gewesen. An vielen Stellen ist diese Kirche noch unvollendet. Mittelpunkt der Krypta ist eine liegende, die entschlafene Maria darstellende Figur unter einem Dach. Ringsum sind verschiedene Altäre, die ursprünglich von verschiedenen Nationen gestiftet werden sollten. Auch hatten wir die Ehre, den Klausurbereich der Mönche zu sehen. Ein schönes Gebäude insgesamt. In den Jahren 1948-1967 (Staatsgründung Israels – Sechs-Tage-Kreig mit Einnamhe Jerusalems durch die Israelis) lag die Abtei im Niemandsland zwischen Israel und Jordanien. Im Krieg schossen Soldaten auch vom Turm der Dormitio aus. Die Dormitio musste eine harte Zeit durchstehen (aber dann kam das Studienjahr!, s. bei diesem Artikel). Was auf dem Zion allgegenwärtig ist, ist die Platzknappheit. Direkt hinter der Klausur der Mönche beginnt der Abendmahlssaal, an der Mauer zur Abtei liegt der Friedhof der armenischen Christen etc. Es ist zuerst befremdlich, mit welcher Selbstverständlichkeit man hier davon redet, dass hinter einer Mauer direkt der Abendmahlssaal beginnt und Ähnliches. Aber wahrscheinlich merken wir Kölner Bistumskinder auch nicht mehr, wie großartig unser Dom ist, weil er fast alltäglich geworden ist. Die Abtei beherbergt auch die „bestausgestattete deutschsprachige Bibliothek im nahen Osten“, wie Bruder Nikodemus (Bibliothekar, er war im Studienjahr und ist hier „hängengeblieben“) stolz erzählte. In dieser Bibliothek gibt es kein einziges Buch über Religionspädagogik, erzählte er. Auch die Mönche (hier leben im Moment 11, außerdem gibt es noch Niederlassungen dieser Gemeinschaft in Tabgha am Ort der Brotvermehrung sowie in Hildesheim) haben hier stets nur ein Visum für 1 oder 2 Jahre, dann müssen sie es neu beantragen.
Die Brüder hier konfrontieren jeden, der hier ist, mit dem eigenen Verständnis von Orden und gottgeweihtem Leben. Einige sagen, dass dies hier die für sie angemessene Form ist, Gott zu suchen. Dies ist zweifelsohne wichtig. Für mich ist dabei noch einen Aspekt, der in dem bereits genannten implizit enthalten sind, explizit wichtig: Ich halte es neben der eigenen Gottsuche auch für wichtig, dass jeder sich fragt, auf welche Weise er Gott und der Kirche in seinem Leben dienen kann und was seine eigene Berufung ist, wozu Gott ihn bestimmt hat. Das geht in großen Teilen mit der persönlichen Gottsuche einher, aber mir ist wichtig, auch dies noch zu betonen.
Bei den vielen Gemeinschaften und Orden hier in Jerusalem stehe ich auch immer wieder vor der Gespaltenheit in missionarisch-caritative und kontemplative Orden. Die einen gehen hinaus, um sich um Jugendliche, Behinderte, Alte, Arme zu kümmern, die anderen bleiben im Konvent und widmen sich neben dem umfangreicheren Gebet der Arbeit im Kloster selbst. Die Frage nach "besser/effektiver" und "schlechter/uneffektiver" verbietet sich, jeder muss herausfinden, wozu er berufen ist. Jedoch stehen die Lebenskonzepte in Spannung zueinander und stellen für einen Außenstehenden wie mich eine Heruasforderung dar, jedes für sich zu begreifen.
Neben der Brüdergemeinschaft gibt es seit 2008 ein Oblaten-Institut, in dem Laien und Priester, die sich der Abtei verbunden fühlen, Mitglied sein und so Kontakt zur Dormitio halten können.
Was bei uns typischerweise Zivis waren, sind hier Volontäre. Nicht wenige junge Menschen aus Deutschland leisten hier einen Freiwilligendienst (Gartenpflege, Altenbetreuung, Küchendienst) für Kost und Logis, um sich einzubringen und auch das Land kennenzulernen.