Halbzeit
Am Dienstag Abend letzter Woche besuchte uns der Abt und in lockerer Atmosphäre kamen wir über theologische und spirituelle Themen ins Gespräch.
Am 15. August begann unser Studienjahr, am 15. Dezember war Halbzeit. Wahnsinn! Vieles werde ich noch erleben, Vieles ist aber auch schon normal und nicht mehr erwähnenswert.
An eben jenem 15.12. fuhren wir nach Qumran (endlich!), Arad und Beer Sheva.
Also, zunächst Qumran: Am Toten Meer gelegen, gab es hier eine Gebäudeansammlung. Ganz in der Nähe wurden in 11 Höhlen Schriftrollen mit biblischen und parabiblischen Texten, teils sektenhaft anmutend, gefunden. Wir sahen die Siedlung und auch zwei Höhlen. Und am Ende standen noch mehr Fragen als Antworten bzgl. der Gemeinschaft in Qumran, ihrer Ausrichtung, der Texte etc.. Aber die Erwähnung der Rollen und der Texte ließen mein Herz höher schlagen. J Am Freitag begann auch eine Vorlesung, die sich mit Messiaserwartungen besonders in den Qumranschriften beschäftigt.
Weiter ging es am Toten Meer entlang nach Arad, was 570 m ü.N.N. liegt, d.h. wir überwanden mit dem Bus fast 1000m Höhendifferenz. Hier befand sich eine riesige Stadt in den Jahren 2950-2650 v. Chr. sowie eine Festung um 1000 v.Chr.. In der Festung gab es einen JHWH-Tempel, und auch DIE Nische – eine Nische, an der der Beginn des Monotheismus festgemacht wird.
Zum Abschluss fuhren wir nach Beer Sheva (an einem der kältesten Tage dort, 18 Grad), hier soll Abraham einen Brunnen gebaut haben. Die Überreste der knapp 3000 Jahre alten Stadt ähnelten vielen, die wir schon gesehen haben. Prof. Lehmann, der uns führte, sprach auch über die Raketen, die aus Gaza (mit 2 Millionen Einwohnern die größte Stadt des Landes) auf die Region abgeschossen werden und über die 150.000 Bewohner beduinischer Herkunft, die in Siedlungen in der Wüste um die Stadt herum wohnen und die wenig integriert sind.
Abends feierten die Gasthörer, die mit uns 4 Monate verbracht haben, Abschied, sie gehen jetzt zurück in ihre Gemeinden in Deutschland.
Um 22 Uhr begann im Österreichischen Hospiz eine Messe, gefolgt von eucharistischer Anbetung, die um 6 Uhr morgens mit einer Roratemesse endete. Zu viert blieben wir bis 0.40 Uhr, eine Kommilitonin gestaltete dabei eine Stunde der Anbetung musikalisch.
In diesen Tagen vor Weihnachten feiern die Brüder die Vesper sehr feierlich, mit den bekannten, alten O-Antiphonen des Magnificats und Weihrauchinzens des Vorstehenden und Glockengeläut während des Magnificats.
In der Messe bei den Legionären Christi feierte ich am Sonntag zum ersten Mal eine englischsprachige Messe mit den neuen Übersetzungen, die näher am Latein sind, mit. Nach der Messe ertönte schon „Stille Nacht, heilige Nacht“. Und dabei scheint bei Temperaturen über 15 Grad immer noch die Sonne. Eine Kommilitonen sagte: „Jesus schaute aus der Krippe auch auf Palmen und nicht auf Tannenbäume und spielte im Staub und nicht im Schnee.“
Die kürzesten Messen feiern hier wohl die Franziskaner in ihrem Konvent am Abendmahlssaal, hier um die Ecke. Die Messe beginnt um 7 Uhr und ist um 7.20 Uhr vorüber, Lieder gibt es nicht.
Am Mittwoch waren wir wieder bei der Jeshiva nebenan, einer ultraorthodoxen Synagogen- und Lehrgemeinde, eingeladen zum Chanukkafest, bei dem die Juden der Wiedereinweihung des Tempels nach der Entweihung durch die Griechen im Jahre 165 v. Chr. gedenken. Rabbi Goldstein empfing uns in der Synagoge, erklärte kurz den Ritus des Lichtentzündens und dann wurden die Lichter auf der Menorah, dem siebenarmigen Leuchter, entzündet. Da es der zweite Tag war, waren es zwei Kerzen. Rabbi Goldstein hielt eine Ansprache über Frieden, der schon durch ein Miteinander verschiedener Menschen zustande kommt, unterfüttert mit Anekdoten. Die jüdische Weisheit und Erzählkunst finde ich wirklich beeindrucken. Wir sangen die jüdischen Lieder mit (vorher hier bei uns eingeprobt), gaben „Tochter Zion“ zum Besten (die Melodie ist auch die Melodie eines jüdischen Chanukka-Liedes) und bekamen zum Schluss jeder eine kleine Menorah mit zwei Kerzen sowie einen Berliner (wohl übliches Chanukka-Gebäck) geschenkt. Auch Frauen durften mitkommen, was ungewöhnlich ist.
Nun haben wir endlich Ferien, denn Weihnachten steht ja schon kurz vor der Tür. Davon demnächst mehr.