Ferienzeit: Weihnachten, Akko, Silvester, Abu Gosh

Veröffentlicht auf von yerushalayimshelzahav

Unsere Ferien sind nun schon wieder vorbei, die Weihnachtszeit ebenso und auch das neue Kalenderjahr hat schon begonnen. Allen Lesern wünsche ich dafür Gesundheit, Glück und Segen.

Aber die Ferien waren auch sehr erlebnisreich.

Am Tag vor Heiligabend feierten wir einen runden Geburtstag unserer Studiendekanin. Hierfür hatten wir den Hörsaal schon umgeräumt und in ein wohnliches Zimmer verwandelt. Die ersten Gäste von Studenten waren auch schon da.

An Heiligabend holte ich dann mit einem Freund in einem Mietwagen meine Freundin, die zu Besuch kam, vom Flughafen ab. Die Kontrollen sind mehrfach und intensiv, das gibt einem auch ein sicheres Gefühl.

Um 17.30 Uhr begannen die Weihnachtsfeierlichkeiten mit einer Pontifikalvesper. Danach aßen und feierten wir Studenten mit unseren Gästen im Hörsaal, in dem wir auch einen Tannenbaum aufgestellt hatten, den Heiligen Abend. Einige evangelische Kommilitonen brachen zum Gottesdienst in der Erlöserkirche auf, der Rest ging später in die feierliche Christmette, der der Abt wieder als Pontifex, d.h. mit Stab und Mitra, vorstand, um 0 Uhr in der Abteikirche. Wir hatten einen guten Platz auf der Orgelempore. Unten hingegen saßen zum Großteil säkulare Juden, die an Weihnachten „Church Hopping“ betreiben und nacheinander verschiedene Weihnachtsgottesdienste besuchen. Viele Handys blieben auch während der Messe gezückt; ab dem Credo lehrte es sich zusehends, es schien, als hätten sie genug gesehen. Martyrologium, Evangelium und Predigt wurden auch auf hebräisch vorgetragen.

Ausgerechnet in dieser Nacht regnete es, und mit Regen meine ich hier, dass es schüttete. So fiel der geplante Gang nach Bethlehem aus, die Mönche fuhren in Autos hin und nahmen dort die Rolle mit den Namen derer, die in der Heiligen Nacht in Bethlehem sein möchten mit. Einige Studenten wagten das Abenteuer dem Regen zum Trotz und machten sich auf einen zweieinhalbstündigen Marsch, andere fuhren mit Taxen, die wir noch organisieren konnten. Als wir Taxifahrer um 3.30 Uhr in der Geburtskirche ankamen, war es dort leer und ruhig. Lediglich in der Geburtsgrotte wurden größere und kleinere Messen gefeiert. Es sorgte für eine Gänsehaut, in dieser Nacht dort zu sein und den silbernen Stern, der die angebliche Geburtsstelle markiert, zu berühren. Wir trafen Die Schwestern, die die Brüder in Tabgha unterstützen, Franziskanerinnen, die bei den Franziskanern am Abendmahlssaal immer in die Messe gehen und Schwestern und Brüder aus Abu Ghosh, alle suchten in der Heiligen Nacht die Geburtskirche auf. Die Kirche der Franziskaner, die an die Geburtskirche grenzt, war natürlich weihnachtlich geschmückt. Weihnachtsschmuck ist hier – im christlichen Viertel in der Jerusalemer Altstadt, in manchen Kirchen, in Akko – eher von der Art, die man in Deutschland als Kitsch bezeichnen würde. Um 6 Uhr waren wir aus Bethlehem zurück auf dem Zion, sodass der erste Weihnachtstag ohne große Erlebnisse von statten ging.

Am 26.12. fuhren meine Freundin und ich für 4 Tage nach Akko. Da es in Israel kaum Zugverkehr gibt, fahren viele Überlandbusse zu durchaus günstigen Konditionen. Ob Zug, Bus oder Flugzeug – Kontrollen sind immer da.

In Akko wohnten wir in einem Hotel mit Schwimmbad, Sauna, riesigem Frühstücksbüffet und Meerblick. Akko selbst ist ein ruhiges, auf einer Landzunge in der Bucht von Haifa gelegenes Städtchen. Beschaulichkeit, Restaurants am Meer und tolle Sonnenuntergänge mit der malerischen Kulisse von Kreuzfahrermauern förderten optimal die Entspannung und Erholung. Tannenbäume, die man hin und wieder entdecken konnte, erinnerten uns daran, dass es Ende Dezember war (Sonnenschein und Wärme brachten uns auf andere Gedanken) und dass hier auch christliche Araber leben.

Einen Tagesausflug unternahmen wir auf die andere Seite der Bucht nach Haifa. Die ganze Stadt scheint um die weltberühmten und wunderbaren Bahai-Gärten herum gebaut zu sein. Diese ziehen sich von unten am Meer den Berg Karmel herauf, in der Mitte steht der Schrein des Bab, ein Gründer dieser Religion (Wer mehr über die Bahai, eine monotheistische Religion, wissen möchte, findet im Internet viele Informationen). Hoch über dem Meer steht am Rand des Karmels (ein langer Fußmarsch...) das Karmelitenkloster „Stella Maris“. Hier wird die Gottesmutter besonders als Schutzpatronin der Seefahrer verehrt. In der barocken Kirche befindet sich auch die Grotte des Elija, der hier ausgeharrt haben soll. Auch die Kölner Diözesanpatronin Theresia Benedicta vom Kreuze (Edith Stein), eine Karmelitin, ist hier auf einer Inschrift erwähnt. Auf dem Berg Karmel fand ich einen Heinrich-Heine-Platz – welch eine Freude für einen Düsseldorfer! J Auch in Haifa gibt es eine Deutsche Kolonie, die badische und schwäbische Templer, die im 19. Jahrhundert nach Israel kamen, gründeten.

Am Silvesterabend gingen wir zu zweit – nach dem obligatorischen Schauen von „Dinner for One“ – erst essen und um 23 Uhr in die Heilige Messe. Im Notre-Dame-Center war ein italienischer Erzbischof zu Gast, der die Messe auf englisch zelebrierte. Als ich in die volle Kirche hereinkam, wurde ich gefragt ob ich Englisch spreche und dann mit der zweiten Lesung und dem Hallelujavers betraut. Um 0 Uhr wurde, vor dem Segen, das Te Deum gesungen. Zurück in der Dormitio gab es einen Sektempfang vor der Kirche und Gitarrenmusik mit den „Hits des Studienjahres“.

An Neujahr besuchten wir den „Holocaust Cellar“, eine der ersten Einrichtungen, die sich dem Gedenken an die Shoa verschrieben haben und der in der benachbarten Jeshiva beheimatet ist. In drei Räumen werden viele Fotos, Dokumente und Fundstücke aus den Vernichtungslagern präsentiert.

Vom 2. auf den 3. Januar fuhren wir noch eine Nacht in das Kloster in Abu Gosh. Hier trafen wir ein deutsch-französisches Ehepaar, das eine Woche Urlaub in Israel gemacht hatte. Es war interessant und bereichernd, nochmal die Perspektive von Touristen zu hören, die das problembeladene Nebeneinander so vieler Religionen hier nicht aus theologischer, sondern aus alltäglicher Sicht beobachteten und die Konflikte ganz frisch und geballt und nicht wie wir über längere Zeit, in der man sich fast daran gewöhnt, erlebten. Die dicken Mauern der Kirche in Abu Gosh halten die Kirche immer noch relativ warm vom Sommer. Sr. Marie Madeleine, die deutsche Schwester dort, gab mir noch eine Antwort auf meine Frage, warum man sich einem kontemplativen Orden anschließt: Wer das nur für sich selbst macht und sein ruhiges Eckchen sucht, der kann das nicht durchhalten.

 

Ich habe schon im September ausführlich über meine Eindrücke aus dem Kloster in Abu Gosh berichtet. Hier kommt nun in einem Gastbeitrag meine Freundin zu Wort, die zum ersten Mal nach Abu Gosh kam:

 

"Mein erster Eindruck von Abu Gosh: Ich stieg aus dem Bus und trat in eine Schlammpfütze. Ein kleines arabisches Dorf mit Betonbauten, etwas dreckig und in die Jahre gekommen, nicht unbedingt das, was ich als schön bezeichnen würde. Umso beeindruckender ist das, was sich hinter den Klostermauern der dort ansässigen Benediktiner verbirgt: Sobald man durch das Tor tritt, scheint man in einer anderen Welt angekommen zu sein. Ein wunderschöner und gepflegter Garten, alles wunderbar grün, liegt hinter den Mauern verborgen und ebenso eine wunderschöne Kirche aus der Zeit der Kreuzfahrer, in der die Nonnen und Mönche, auch wenn sie in eigenständigen Klöstern leben, gemeinsam die Messe feiern, die Laudes und die Vesper beten – alles auf Französisch. Die restlichen Tagzeitgebete verrichten sie getrennt in eigenen Kapellen.

Für zwei Tage konnte ich also ein wenig in das Leben hinter den Klostermauern schnuppern:

Wir kamen montags gegen 11 Uhr an, bezogen unsere Zimmer in den Gästehäusern, Tobias bei den Brüdern, ich bei den Schwestern. Eine halbe Stunde später stand dann auch schon die Hl. Messe auf dem Programm. Die Gesänge der Nonnen und Mönche haben mich sehr beeindruckt. Selbst für Benediktiner sehr lang aber wunderschön, bis zur Perfektion ausgereift.

Nach der Messe ging es sogleich zum Mittagessen, dass ich erfreulicherweise im Refektorium der Schwestern einnehmen durfte. Während Tobias in der Dormitio und auch in Abu Gosh schon öfter mit den Mönchen gegessen hatte, war es für mich das erste Mal. Nach ein paar letzten Tipps ging ich dann etwas unbeholfen Richtung Klausur. In einem liebevoll eingerichteten Kaminzimmer wartete ich, bis die Glocke zum Mittagessen läutete, dann machte ich mich auf ins Refektorium, wo ich schon von den Schwestern erwartet wurde. Nach einer sehr warmherzigen Begrüßung zogen die Schwestern ins Refektorium ein, ich ging als letzte durch die Tür, wo mich die Äbtissin erwartete. Während die Schwestern sangen, wusch sie mir die Hände und küsste sie dann – ein alter orientalischer Brauch, der auch in der Benediktsregel zu finden ist. Im Gast sollen die Schwestern Christus selbst sehen. Dann wurde mir mein Platz am Tisch zugewiesen, welcher wie ein Hufeisen angeordnet war. Am Kopf saß die Äbtissin, die restlichen Schwestern saßen dann nach Eintrittsalter in den Orden sortiert am Tisch. Die ältesten in der Nähe der Äbtissin, die jüngsten weiter unten. Als Gast wurde mir ein Platz in der Mitte zugewiesen. Die Schüsseln mit dem Essen wurden von der Äbtissin aus durchgereicht. Die Plätze und damit auch die Reihenfolge, wer sich wann etwas zu essen nehmen darf, sind hierarchisch geordnet. Selbstverständlich war genug für alle Schwestern da und man nahm Rücksicht aufeinander, sodass niemand Hunger leiden musste.

Tobias hatte mich darauf vorbereitet, dass das Essen schweigend eingenommen, es währenddessen jedoch eine Tischlesung geben wird. Dabei hatte ich vor allem mit erbaulichen, spirituellen Texten gerechnet. Umso überraschter war ich, als ich realisierte – das dauerte etwas, da alles auf Französisch vorgelesen wurde - dass erst Nachrichten aus der Weltpolitik verlesen wurden, dann Weihnachtspost, welche die Schwestern aus anderen Klöstern erhalten hatten.

Wir nahmen auch an den restlichen Gebetszeiten teil und besonders die Komplet am Abend beeindruckte mich sehr. Die Schwestern sangen sie auswendig – jedoch ohne sie herunterzuleiern. Noch nie zuvor habe ich eine so ergreifende Komplet erlebt: Klassisch und liebevoll, Hingabe, die im Gesang spürbar wird. Als das Gebet um 20:30 Uhr beendet war, wurde ich mit „Bonne nuit“ verabschiedet. Das kam mir zunächst etwas befremdlich vor, da ich bei weitem nicht müde genug war, um schlafen zu gehen. Allerdings beginnt der Alltag für die Schwestern bereits um 5:30 Uhr mit der Matutin, ihrem ersten Gebet.

Tobias und ich hatten uns dann auch fest in den Kopf gesetzt, die Matutin gemeinsam mit den Schwestern zu beten. Das war auch sehr schön...aber wir mussten dafür um 5 Uhr aufstehen, sich danach ins Bett zu legen und weiter zu schlafen lohnte sich nicht, da um 7 Uhr schon das nächste Gebet, die Laudes, anstand. So wachten und beteten wir also. Zwischen Laudes und Messe war dann Zeit fürs Frühstück und ein nettes Gespräch mit Schwester Marie Madelaine, bei dem sie sich Zeit nahm, uns viele Dinge über das Leben im Kloster zu erklären, wir aber auch über ganz weltliche Dinge ins Gespräch kamen.

Die Schwestern leben zwar in Klausur, doch sind sie nicht von der Außenwelt abgeschottet. Sie wissen sehr wohl, was in der Welt passiert und wie das Leben so spielt. Vor allen Dingen wurde ich als Gast sehr warmherzig empfangen. Die Schwestern gaben sich Mühe, sich mit mir zu verständigen, notfalls mit „Händen und Füßen“, und kümmerten sich teils fast schon mütterlich um mich.

Vom frühen Aufstehen vielleicht abgesehen, das sicherlich Gewöhnungssache ist, waren die Tage in Abu Gosh für mich sehr beeindruckend und bereichernd. Hautnah mitzuerleben, wie Menschen ihr Leben ganz auf Gott hin ausrichten, ihren Tagesablauf durch das Gebet strukturieren, sich Zeit nehmen für das intensive Gebet, ohne dabei abgehoben oder weltfremd zu wirken, hat mir sehr gut getan."

Werbung
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post