Gott in der Stille auf der Spur
Am Mittwoch Abend hielt Herr Lehnert, der mit uns sein Theaterstück besprochen hat, eine Lesung aus verschiedenen seiner Werke für uns, unter anderem über seine Erfahrungen in der sog. DDR.
Am Freitag Abend feierten wir in der Kirche die erste Rorate-Messe (nur bei Kerzenlicht) der Adventszeit. Danach verbrachten wir einen Herrenabend, bei dem wir wie in Studentenverbindungen sangen und beieinandersaßen und unseren Gästen (insgesamt waren wir 18 Mann!) das Verbindungswesen näher brachten.
Am nächsten Morgen brachen wir zu zwölft zum „Monastischen Wochenende“ auf. Unser lieber Gastbruder Josef fuhr mit uns und dem Abt zuerst nach Abu Gosh zu den dort lebenden Benediktinern. Wir sangen dort im Chor der schönen Kreuzfahrerkirche zuerst die Laudes, begleitet auf der Zither. Getrennt nach Geschlechtern wurden wir durch die Klostergebäude geführt und konnten die Mönche bzw. Nonnen nach ihrer Motivation, ihrem Lebensstil und ihrem Auftrag dort fragen. Ich verstand, dass, auch wenn die Ordensleute vorwiegend in ihrem Kloster bleiben, sie viel zur Verständigung unter den Religionen tun, indem sie Besuch verschiedener religiösen Hintergrundes begrüßen. Allerdings gehen sie nicht heraus und wenn Touristengruppen kein Gespräch wünschen, kommt auch kein Kontakt zu Stande. Nach der Begegnung feierten wir die Messe mit und stärkten uns mit Suppe und Pita, bevor wir weiter fuhren nach Bet Gemal.
Hier hatten die Salesianer eine Landwirtschaftsschule, in den ehemaligen riesigen Schlafsälen verbrachten wir die Nacht und wurden in dem Gebäude auch italienisch bekocht. Auf dem Gelände leben nur zwei Gemeinschaften der Bethlehem-Gemeinschaft, ein weiblicher und ein männlicher. Wiederum getrennt besichtigen wir die Klosteranlagen. Diese Gemeinschaft lebt nach der Regel des hl. Bruno, des Gründers des Kartäuserordens. Deshalb verbring sie die meiste Zeit alleine schweigend in ihren Zellen (Container wegen fehlender Baugenehmigung für Klausen). Allerdings haben sie auch einen Gästebetrieb und empfangen Gäste wie uns zum Austausch. Manche leben streng alleine und zurückgezogen, manche weniger. In Bet Gemal leben 20 Brüder und 40 Schwestern, aber die Gemeinschaft erlebt seit 30 Jahren einen Boom mit vielen Neugründungen, besonders der weibliche Zweig.
Dort feierten wir die Vesper, 75 Minuten lang, im byzantinischen Ritus und in hebräischer, arabischer und französischer Sprache, mit.
Die Frauen haben in ihrem Gelände einen Raum mit einer Menorah (dem siebenarmigen Leuchter) und einer hebräischen Bibel, was die jüdischen Besucher besonders rührt. Die Kirchen von beiden Zweigen bestehen nur aus Chorraum, d.h. der Innenraum ist frei und außenherum sind die einzelnen Sitze der Ordenschristen, mit hohem „Sichtschutz“ aus Holz zwischen den Sitzen.
Den Sonntag begannen wir in der Kirche der Salesianer mit den Laudes. Nach einem einstündigen Spaziergang durch die Natur (wie es auch die Mönche und Nonnen tun) nahmen wir bei den Schwestern an der Heiligen Messe teil. Auch hier ging alles mit Ruhe vor sich. Es war eindrucksvoll. Zur Gebetshaltung gehört hier auch immer das Knien und Niederkauern auf dem Boden sowie das Ausstrecken auf dem Boden.
Mir ist klarer geworden, warum Christen kontemplativ leben. Ich hatte bisher neben der persönlichen Gottsuche wenige Aspekte sehen können. Dass das Gebet und Leben geistliche, unsichtbare Frucht bringt, ist einer davon. Das Gebet für Andere und das Wissen der Leute außerhalb des Klosters um dieses Zeugnis („weißes Martyrium“, d.h. blutloses Zeugnis und Christusnachfolge) und dieses Gebet ist ein Zeichen für die Welt. So kann ich mich diese Lebensform besser verstehen, auch wenn ich das persönliche Zeugnis in der Welt für sehr wichtig halte.