Freitag - ein Tag daheim
Am Freitag stand keine Exkursion auf dem Programm. So schön und interessant Exkursionen auch sind, eine Verschnaufpause tut gut...
Am Freitag Abend hatten wir unseren Eröffnungsgottesdienst in der Abteikirche. Auch die Studenten des Programms „Studium in Israel“ waren eingeladen. Es war ein ökumenischer Wortgottesdienst, gestaltet vom Sr. Margareta, unserer Studiendekanin und unserer Gottesdienstgruppe und einem Spontanchor.
Nach dem Eingangs“klassiker“ „Eingeladen zum Fest des Glaubens“ folgten Begrüßung und die Schriftlesung aus dem Schluss der Offenbarung des Johannes. Er beschreibt hier detailliert die Vision des himmlischen Jerusalem (als SHK beim Qumranprojekt musste ich auch an die Rolle „Neues Jerusalem“ aus Qumran denken, auch wenn ich diese nicht gut kenne, aber der Bezug ist bemerkenswert). Sr. Margareta legte die Stelle fundiert aus. Über die eschatologische Dimension Jerusalems werde ich sicher noch schreiben. Die Fürbitten wurden in Kleingruppen geschrieben und vor zum Himmel steigenden Weihrauch vorgetragen.
Danach folgte ein Empfang, bei dem die Mönche, die Mentoren (aufgeschlossene geistliche Leute aus Jerusalem und Umgebung, die uns begleiten), die Teilnehmer von „Studium in Israel“ sowie natürlich wir Studienjahrler anwesend waren – eine schöne Runde in lockerer, glücklicher Atmosphäre bei Chili con Carne und Wein. Wie das Leben so will, lernte ich hier einen Pfarrer aus Dormagen, einer Kleinstadt gegenüber von Düsseldorf, kennen, der mit mir gut bekannten Leuten befreundet ist. Auch eine Schwester aus Düsseldorf ist unter den Mentoren. Heimat, du bist so nah! J
Außerdem stellte sich heraus, dass Bruder Nikodemus nicht nur Ansprechpartner von Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung in Jerusalem ist und mich zum Stammtisch einlud, sondern auch Cartellbruder (von der Studentenverbindung) ist. Ebenso ist ein Volontär CVer und einige (ehemalige) Mönche. Der Chef von Bruder Nikodemus bei der Görres-Gesellschaft ist unser AH Bergsdorf. Außerdem kennt er den Philistersenior unserer Freundschaftsverbindung K.St.V. Arminia zu Bonn, der wohl auch öfters hier zu Gast ist. Über Bonner Verbindungen weiß er Bescheid und teilt meine Ansichten (z.B. bzgl. Bavaria). Die Welt ist so klein. Ich finde es wunderbar, so viele Ansprechpartner unverhofft zu treffen. Herrlich!
Nach dem Empfang hatten wir unseren ersten Geburtstag hier zu feiern. Eine Gruppe von 13 Leuten hatte sogar einen Tanz vorbereitet – die Menge jubelte uns zu. Es war, um einen allseits bekannten Anzugträger zu zitieren, „legendary“. Ein lustiger Abend klang auf der Dachterrasse aus. Der Schlusspunkt meines Tages waren Vesper und Komplet, gebetet von zwei Katholiken und einem Protestanten – sehr schön!
Da am Freitag Abend schon der Schabbat beginnt, ertönte keine Musik aus dem Lokal vor dem Haus.
Das Wochenende ist frei, ich habe aber noch genug zu ordnen, zu besorgen und zu erledigen, sodass mir nicht langweilig wird, ich aber von der Stadt nicht so viel sehen kann. Dafür bleibt aber noch genug Zeit.
Bei der Mittagshore fragte mich ein Bruder, ob ich Priesteramtskandidat sei, da man ja merke, dass ich mit der katholischen Liturgie sehr vertraut bin und ich auch ohne Buch mitbeten könne. Das habe ich natürlich verneint, aber ein bisschen stolz hat es mich schon gemacht, dass ich als in der Liturgie Fester wahrgenommen werde. Ich werde mich auch weiter darum bemühen, die Liturgie besser kennenzulernen und zu verstehen.
Wir sind hier 300 km von Eilat, wo es die Anschläge und Raketenangriffe gab, entfernt. In der Altstadt gab es noch nie Anschläge (das ist zu riskant und die Altstadt ist zu bedeutungsvoll für alle) und wir meiden natürlich unsichere Zonen. Deshalb ist alles in Ordnung.