Rund um Jerusalem
Am Donnerstag erkundeten wir die Gegend ringsum Jerusalem. Was mich erstaunt hat, ist, dass 1. die Wüste quasi nebenan anfängt und 2. das judäische Bergland wirklich sehr bergig ist.
Zuerst besuchten wir die evangelische Auguste-Viktoria-Kirche, erbaut von Kaiser Wilhelm und benannt nach seiner Frau. Sie war die zweite evangelische Kirche hier nach der Erlöserkirche in der Altstadt, später kam die Dormitio als Geschenk an die katholischen Untertanen hinzu. Die Auguste-Viktoria-Kirche liegt auf einem Hügel gegenüber dem Ölberg und weist mit der Apsis auf diesen als biblischen Himmelfahrtsort.
Sie ist für eine evangelische Kirche ungewöhnlich stark ausgeschmückt. Zwei Details sind interessant:
Der Apostel Jakobus d.Ä. hat das Gesicht Bismarcks.
Von Christus als Allherrscher gehen die biblischen Könige David und Salomo aus – und Kaiser Wilhelm, als Kreuzfahrerkönig dargestellt.
Der Kirche angeschlossen ist ein mittlerweile palästinensisches Krankenhaus, welches ursprünglich als Kurkrankenhaus für Deutsche erbaut wurde. Es soll eine Begegnungsstätte für Palästinenser und Israelis entstehen, allerdings ist das Interesse und die Resonanz sehr gering bisher.
Nach dem Ersten Weltkrieg hatte hier die britische Kommandantur ihren Sitz und beschloss die Teilung des Heiligen Landes.
Auf dem Gelände ist der Sitz des evangelischen Studienprogramms „Studium in Israel“, welches deutschen Stipendiaten einmal die Woche eine Begleitung anbietet. Die Studenten studieren an der Hebräischen Universität und wohnen einzeln.
Außerdem findet sich hier das Deutsche Evangelische Institut für Archäologie. Prof. Vieweger, der Direktor, gab uns einen ersten Überblick über die Archäologie in Jerusalem sowie über seinen aktuellen Ausgrabungsort, einen Tel in Jordanien. Unter Tel versteht man einen Hügel, auf dem sich übereinander verschiedene Siedlungen verschiedener Zeiten finden, in diesem Fall ca. 16, vom 5. Jahrtausend v.Chr. bis 1200 n.Chr.
Danach ging es zum Grab des Propheten Salomos. Seit dem 4. Jh. wurde hier Salomo verehrt, im 15. Jh. entstand die Tradition, dass hier auch das Grab zu finden sei. Heute steht eine Moschee darüber, aber auch Juden beten am Kenotaph (ein Sarkophag über dem eigentlichen Grab). Der Berg wird auch „Berg der Freude“ genannt, denn von hier aus erblickten die Kreuzfahrer 1099 das erste Mal Jerusalem und bauten hier am strategisch wichtigen Punkt eine Festung, von der heute noch Ruinen zeugen.
Was folgte, war eine Fahrt durch ein Gate nach El-Qubeibe, jenseits der Mauer. Es war der erste Besuch in Emmaus (der Ort, wo die zwei Jünger mit dem Auferstandenen Mahl hielten) für diesen Tag, mehr dazu später. Hier wirken Salvatorianerinnen in der Alten- und Behindertenbetreuung, Sr. Hildegard wusste schreckliche Geschichten über die Behandlung Behinderter seitens deren Familien zu berichten. Manchmal haben sie da nur eine Stunde fließendes Wasser am Tag. Das Gelände gehört, wie auch das Abteigelände der Dormitio, dem Erzbistum Köln – Heimat! J
Zurück ging es durch die Wüste und palästinensische Dörfer in die Nähe von Jerusalem, nach Abu Gosh. Dieses arabische Dorf zwischen Jerusalem und Tel Aviv war das zweite Emmaus, denn mindestens 3 Orte nehmen für sich in Anspruch, der Ort des biblischen Geschehens zu sein. Hier findet sich ein Kloster von Benediktinerinnen und Benediktinern. Ich habe mich in diesen Ort verliebt! Ein wunderschöner, oasenhafter Garten, dazu eine alte Kreuzfahrerkirche auf einem alten römischen Wasserbad, denn unter der Kirche entspringt eine Wasserquelle. Uns empfing eine ehemalige Studienjahrlerin, die nun dort im Konvent ist. Die feierliche erste Vesper am Vorabend des Hochfestes des Kongregationsgründers dieses Konventes (der Benediktinerorden ist in verschiedene Klosterfamilien, sog. „Kongregationen“, unterteilt) war beeindruckend. Dort möchte ich gerne nochmal ein paar Wochenenden verbringen. Der Ort befindet sich unterhalb des Ortes, wo die Bundeslade gestanden und von den Philistern geraubt worden sein soll.
Soviel in Kürze zu diesem Exkursionstag.
Ich weiß, dass ich viele Informationen hier in meinen blog aufnehme. Damit versuche ich Euch daheim so viel wie möglich weiterzugeben, denn an Details erkennt man oft die Gesamtheit. Außerdem schreibe ich, um es für mich selbst alles zu verarbeiten.
Ich versuche aber auch immer, wo möglich, eigene Eindrücke festzuhalten. Im Moment strömt aber so viel auf mich ein, dass ich nicht alles erfassen kann und ich erst einmal versuche, die Informationen zu ordnen. Die eine oder andere Beobachtung wird sich im Laufe des Jahres noch ergeben.