Hebrew-University, Sukkot
Am Dienstag stand ein Studientag an der Hebrew University auf dem Plan. Sie wurde 1925 auf Initiative deutscher (deshalb wäre die Unterrichtssprache auch fast deutsch oder jiddisch geworden) jüdischer Wissenschaftler auf dem Mount Scopus im Norden Jerusalems gegründet – hier sieht man den einenden Charakter von Wissenschaft und Forschung. Ein paar interessante Sachen: Der Berg blieb auch zwischen 1948 nd 1967 eine israelische Eklave in jordanischem Gebiet; ein Betrieb war trotzdem nicht möglich, da man nicht dorthin gelangen konnte, heute gibt es noch 3 andere Campi der HU in Jerusalem. Vieles läuft über private Sponsoren, deshalb steht fast an jedem Raum ein Name des Stifters. Die Studenten selbst, die wegen des Militärdienstes alle schon älter sind, zahlen 2500 Dollar pro Jahr.
Die Unisynagoge (es gibt aber auch arabische Studenten) hat eine Glasfront genau in Richtung Altstadt.
Im Jahr 2002 gab es einen Anschlag mit 9 Toten in der Universität, die an sich aber unpolitisch und von den Studenten her eher links anzusiedeln ist, wie unsere Führerin bemerkte.
Von Scopus-Berg aus sieht man mal wieder direkt in die Wüste, das ist unglaublich. Und in der Wüste eine israelische Stadt, die mit Jerusalem vereint werden soll, und davor eine palästinensische Stadt, die sich deswegen genau zwischen die neue Stadt und Jerusalem schieben möchte. Ebenfalls unglaublich.
Bei den Vorträgen am Nachmittag zu jüdischer Aufklärung, einem biblischen Thema und einer Einheit über Gesetzestexte im Talmud, merkten wir, dass es durchaus sinnvoll sein kann, biblische Texte nicht nach Redaktionsschichten auseinanderzunehmen, sondern den Text als ganzen sprechen zu lassen. Es fällt auch auf, dass nicht wenige Juden zumindest ein paar Brocken deutsch sprechen.
Die Nächte werden immer kühler, und auch tagsüber sieht man vermehrt grauen Himmel. Manchmal ist die Sonne aber morgens schon so stark, dass man um 7 Uhr schwitzt. Dank der Zeitumstellung ist es aber auch schon gegen 17.30 Uhr dunkel.
Kaum ist Jom Kippur vorbei, beginnen die Feierlichkeiten des Sukkot-(Laubhütten)Festes, an welchem die Juden daran erinnern, wie ihre Vorfahren bei der Wanderung durch die Wüste im Zuge des Exodus gelebt haben. Dazu leben sie eine Woche lang in einer Sukka, meist auf ihrem Balkon, welche mit Palmenwedeln o.Ä. bedeckt ist. Wir haben heute eine gebaut – ein Gerüst aus Metall, wie für einen Pavillon, dazu eine Wand aus Stoff mit Bildern von Jerusalem und den Wüstenvätern, oben drüber legten wir Palmenwedel (danke an den Volontär Bastian, der sie für uns geschnitten hat!). Auf schöne Stunden dort!
P. Fröhling SAC (Pallottiner) hält gerade eine Vorlesung über Ökumeneverständnis und die Konsequenzen für die Eucharistie. Er redet offen über Möglichkeiten und Grenzen, es ist fast wie ein Grundkurs Ökumene, den wir brauchen. Klar ist geworden: Der Anspruch der Kirche (wie jeder religiösen Gemeinschaft), mehr oder minder alleine im Besitz der Wahrheit zu sein und die Gefahr, zu viel von sich aufzugeben und zu relativieren im Gespräch und in der Konsensfindung mit Anderen, macht Ökumene immer zu einer Gratwanderung. Und sich immer wieder hinterfragen zu lassen, macht deutlich, dass Kirche nie Selbstzweck ist und man es sich nie bequem machen kann.
Dr. Litt erzählte uns heute über die Chassiden, die Strömung der Ultraorthodoxen, die aus Deutschland und Osteuropa kommt und klärte uns über verschiedene Ansichten und Kleidungsmuster auf. Endlich bekommt man einen Einblick!
Ein Franziskaner aus der Grabeskirche erklärte uns den Status quo, d.h. das Nebeneinander der verschiedenen Konfessionen dort. Die meisten Fragen werden seit 1901 in Abkommen der drei großen Gemeinschaften (Katholiken, Griechisch-Orthodoxe, Armenier) geregelt. 1901 gab es nämlich eine Schlägerei mit 16 verletzten und einem Häftling um eine Stufe, die die Franziskaner geputzt haben, obwohl die Orthodoxen dieses Recht für sich beanspruchten. Heute geht es zum Großteil unkompliziert zu, aber die einzige Tür steht immer noch unter rein orthodoxer Verwaltung. Aber in der Geburtskirche, die auch noch unter dem Status quo steht, war letztens erst die Polizei mit Maßband, um auszumessen, wer wo putzen darf.