Ereignisreiche 9 Tage

Veröffentlicht auf von yerushalayimshelzahav

Letzte Woche Montag besuchte ich mit einer Konstipendiatin eine Tagung zum Umweltschutz aus interreligiöser Perspektive, die vom Interfaith Centre for sustainable development und der Konrad-Adenauer-Stiftung organisiert wurde. Zuerst sprachen hochrangige Vertreter von Christentum (darunter Seine Seligkeit Theophilos III, Patriarch von Jerusalem), Judentum und Islam über ihre Haltung zum Umweltschutz, dann folgten Videobotschaften von S. Em. Kardinal Turkson, dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel sowie von dem Oberrabiner Israels. Alle waren sich in Fragen des Umweltschutzes sowie der stellvertretenden Verantwortung des Menschen einig. Nach der Mittagspause sollte das Gesagte in kleinen Workshops praktisch überlegt werden. Es gab einen Workshop für Studenten, dort wurden christliche Männer gesucht, also ging ich dorthin. Mit einem evangelischen Vikar bildete ich die christliche (auf hebräisch „nazaräische“) Fraktion unter Muslimen und Juden. Einige sprachen Ivrit und Arabisch, einige Ivrit und Englisch, einige nur Englisch. Aber dank Übersetzer war dieses Problem lösbar. Erst sang jede Religion eine typische Melodie, dann konnte, wer will, sagen, wie ergriffen er von der Tatsache ist, dass hier Studenten von drei Religionen zusammen kommen, viele sagten, dass es ja egal sei, ob man an „Allah, HaShem (der Ausdruck für Jahwe von Juden) oder Gott“ glaubt – mehr als bedenklich. In Kleingruppen sprach dann ein jeder über seine Verbindung zur Erde und was er zu ihrem Schutz tun kann. Was vorher klar war, überraschte alle positiv: Dass alle drei Religionen Engagement für den Naturschutz fordern und zeigen. Als im Plenum die Ergebnisse der Workshops zusammengetragen wurden, wurde viel Engagement und Mut gezeigt, im Kleinen schon damit anzufangen, Multiplikatoren (Rabbiner, Lehrer etc.) zur Weitergabe von diesen Ideen zu ermutigen etc.. Das klang für uns Deutsche alles nicht neu, aber man muss sagen, dass in Israel die einfachsten Regeln noch nicht verbreitet sind (Sondermüll, Müll nicht auf die Straße werfen u.Ä.). Als ich darüber nachdachte, wohin solche interreligiösen Konferenzen führen sollen, musste ich ein ernüchterndes Fazit ziehen: Es ist wichtig, einander zu kennen, theologisch wie auch persönlich. Gemeinsame Projekte, z.B. im Umweltschutz, können natürlich initiiert werden. Aber es wird trotz Dialog nie Verständigung geben, denn wir sind alle unterschiedlich und haben unterschiedliche Gottesbilder. Welchem Endzweck genau soll interreligiöser Dialog dann dienen?

Abends hatten wir unsere letzte Ivrit-Stunde. Mit unserem Lehrer gingen wir in die German Colony essen. Er gab uns dabei noch eine Führung zur German Colony, von deutschen Templern (Pietisten aus Baden) im 19. Jahrhundert errichtete Häuser, die sie 1939 verlassen mussten.

Am Dienstag fuhren wir nach Hebron. Schon die Hinfahrt war bizarr, denn wir fuhren teilweise über Straßen, die von Israel kontrolliert werden, während das Dorf links ganz von Palästinensern kontrolliert wird und das rechts militärisch von Israel, zivil aber von Palästinensern. Biblisch ist festgehalten, dass Abraham in Hebron eine Höhle kaufte, dieses Land also rechtmäßig jüdischer Besitz ist. Ende des 19. Jahrhunderts siedelten hier nach langer Zeit wieder Juden, die aber 1929 vertrieben wurden. 1975 kamen national-religiöse Siedler zurück. Heute leben sie, von der Armeebeschützt, an und in Militärlagern und versuchen, die Palästinenser aus der Stadt zu verdrängen. Dabei schützt das Militär die Siedler, die teilweise auf palästinensische Schulkinder Steine schmeißen. Manche Straßenseiten sind nur für Juden zu benutzen.

In Hebron sind, dem biblischen Bericht folgend, die Patriarchen (Abraham, Isaak, Jakob samt Frauen) begraben. Einige sind im jüdischen Teil des Komplexes, andere im muslimischen Teil desselben Komplexes, Zutritt zu beiden Seiten ist nur für Christen möglich.

Hinterher fuhren wir noch zu einem palästinensischen Dorf, das 1986 von seinem ursprünglichen Platz wegen archäologischer Grabungen vertrieben wurde (dort stehen heute israelische Dörfer) und nun ständig Räumungs- und Zerstörungsbefehle bekommen.

In der Diskussion um den Abschlussgottesdienst (Messe oder Wortgottesdienst) wurde klar, dass einige Grundannahmen, die hier gemacht werden, falsch sind: Nicht alle erstreben sog. „Abendmahlsgemeinschaft“, auch einige Protestanten sind dagegen, und nur wenige fühlen sich Neuem Geistlichen Liedgut zugetan. Zu dumm, dass erst jetzt darüber gesprochen wird.

Am Mittwoch, dem Hochfest des Heimgangs des Hl. Benedikt, legten zwei Brüder ihre ewige Profess ab. In der Vigil dieses Festes werden statt Antiphonen Abschnitte aus der Heiligen Regel vorgetragen und Benedikt als zweiter Abraham, der auszog Gott zu suchen, und zweiter Mose, der Regel und Weisung gab, dargestellt.

Derzeit sind die Seminaristen des Erzbistums Köln auf Wallfahrt im Heiligen Land. Am Donnerstag traf ich einige von ihnen in ihrer Unterkunft. Hoch über den Dächern der Altstadt von Jerusalem sangen wir die Farbenstrophe unserer Verbindung und tauschten Eindrücke vom Heiligen Land aus. Solche Begegnungen hier in der Fremde sind besonders schön.

Am Samstag Abend erklang die Farbenstrophe dann nochmals, als ich mit zwei Kommilitonen, die auch in Studentenverbindungen sind, Zipfel tauschte (der Eine bekommt ein kleines Stück Band in den Farben der Verbindung des Anderes als Zeichen freundschaftlicher Verbundenheit). Dabei wohnten uns auch ein Mönch und ein Professor, die beide auch in Verbindungen sind, bei. Symbolträchtiger Ort des Tausches war das Dach des Abendmahlssaales – so etwas hat man nicht immer. Der Abend klang mit verschiedenen zufällig vorbeikommenden Kommilitonen bei Studentenliedern im Speisesaal aus. Am Sonntag ging ich erst in die Messe im syrisch-katholischen Ritus. Dieser enthält einen langen, ausführlichen, im Knien gebeteten Akt der Versöhnung und kennt wiederholte Antworten der Gemeinde während des Hochgebetes. Danach fuhr ich für eine Nacht nach Abu Ghosh, wo es im Kloster wieder sehr schön ruhig war.

Am Dienstag fuhren wir um 6.15 Uhr auf unsere letzte Exkursion los. Es ging in die Schefela (die erste Exkursion dahin war ja ausgefallen), grünes Hügelland zwischen der Küstenebene und dem judäischen Bergland im Osten und Norden.

Wir schauten das Depot der israelischen Antikenbehörde an, in welchem über 2 Millionen Fundstücke nach Periode und Fundort gelagert werden sowie 4 Städte, die zwischen 1000 und 300 v. Chr. gebaut wurden. Interessant war eine unterirdische Stadt, die aus weichem Felsen gehauen ist. Das Ende unseres Exkursionsprogramms begingen wir mit Sekt am letzen Ort.

Nun warten noch besonders die Abschlussfeierlichkeiten auf uns.

 

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