Eine schöne Woche

Veröffentlicht auf von yerushalayimshelzahav

Nach über einer Woche mit Geburtstag und Besuch von meiner Freundin melde ich mich wieder.

Die Juden feierten, wie geschrieben, eine Woche lang Sukkot, das Laubhüttenfest. Am Jaffator gab es dazu jeden Tag ein Abendprogramm, mit einer Bühne und verschiedenen Verkaufsständen, fast wie ein Weihnachtsmarkt.

Am Montag Abend waren wir in der Jeshiwah, der Talmudschule, nebenan eingeladen. Nach einer Einführung gingen wir in den Hof, in dem schon gefeiert wurde. Männer auf die Männerseite, Frauen auf die Frauenseite. Die Männer hatten viel mehr Platz, die Frauen konnten aber zuschauen, wie wir tanzten. Man tanzt meistens im Kreis, eine Liveband spielte. Die Juden forderten uns auf, mitzutanzen, wir forderten sie auf. Die Energie war wirklich bewundernswert. Sowohl orthodoxe als auch ultraorthodoxe waren dort.

Am Mittwoch, am letzten Tag des Festes, feierten sie den Vorabend des Torahfreudenfestes. Wir waren in einer orthodoxen Synagoge, es war ein unterirdischer Raum, in dem auch die Rohre an der Decke verliefen. Nach mehreren Gebeten wurden die Torahrollen aus dem Schreib geholt, und man tanzte mit ihnen und um sie herum im Kreis, einige sprangen vor Freude, es war eine ansteckende Freude. Die Melodien der Texte, von denen wir manche verstanden, waren wieder eingängig und schön. Der Frauentrakt war wieder kleiner als der der Männer und durch Vorhänge abgetrennt, sodass man von dort aus nichts sah.

Da Sukkot zur Zeit des Tempels ein Wallfahrtsfest war, kommen auch heute noch viele Juden zu diesen Feierlichkeiten nach Jerusalem, sodass die Stadt überlaufen war.

Fahren in Sheiruts, den Sammeltaxis, ist und bleibt abenteuerlich. Der Fahrer wechselt zwischen Telefon, Handy, Funkgerät; wenn die Linksabbiegerampel rot wird und man keine Möglichkeit mehr zum Bremsen hat, fährt man doch noch über die Kreuzung und wendet dann und biegt dann rechts ab...

Susi ist wieder da. Eine kleine Katze, der ihre Mutter abhanden gekommen ist und die wir immer mit Milch versorgen. Unser Kater Garfield (vor Ewigkeiten auch zugelaufen) hatte sie wohl aus „seinem“Garten vertrieben. Am Montag tauchte sie in der Messe in der Orgel wieder auf und rannte dann auf die Empore.

Am Dienstag waren wir auf den Spuren des Krieges von 1948 unterwegs. Wir erfuhren, wie um jedes Viertel gekämpft wurde, wie die arabischen Einwohner der Häuser direkt neben uns vertrieben wurden, wie ganz Jerusalem ein Kriegsgebiet war (und heute so idyllisch!), welche Häuser (wirklich große, schöne) heute von Juden bewohnt werden, die vorher Arabern gehörten. Die Anschläge der jüdischen Paramilitärs von damals werden heute mehr und mehr glorifiziert. Etwas außerhalb liegt noch das Dorf Lifta, es wurde nach einem Anschlag 1948 verlassen und heute sind dort die Ruinen zu sehen, durch die man hindurch gehen kann. In einem Pool dort baden viele ultraorthodoxe Juden. Die meisten ehemaligen arabischen Dörfer sind zerstört und überbaut worden. Am Abend vorher waren wir noch mit einem Juden in der Neustadt unterwegs, der eigentlich säkular ist. Er sagte, wir sollten immer alles von zwei Seiten, d.h. auch von der jüdischen Seite her, sehen.

Wir kamen auch an dem Zelt vorbei, in dem die Eltern des entführten Soldaten Gilead Schalit gewohnt hatten. Er kam am Dienstag frei und gab just, als wir vorbeigingen, eine Pressekonferenz, die dort übertragen wurde. Die Leute waren sehr bewegt. 1940 Tage war er in Geiselhaft gewesen.

An meinem Geburtstag am Mittwoch bekam ich „traditionsgemäß“ das Lied „Wie schön, dass Du geboren bist“ in allen 3 Strophen gesungen und neben Jerusalem-Weihrauch sogar Füchschen-Alt und Gläser geschenkt!

Am Donnerstag und Freitag hatten wir ökumenische Studientage. Viel bestand aus Information über Eigenheiten der Konfessionen, am Freitag kam in der Abschlussdiskussion hervor, dass Verstädnis für den Anderen da ist und wachsen kann, dass eine wirkliche Annäherung aber nicht möglich ist, da naturgemäß keiner seinen Glauben aufgeben möchte. Da reicht es auch nicht, herauszufinden, auf welche Formulierungen man sich gemeinsam einigen kann. Abends hatten wir um 18 Uhr einen Gottesdienst in der Erlöskirche, von uns und für uns. Ein schöner Einblick in die protestantische Liturgie. Sie ist sehr nah an der ordentlichen Form des römischen Ritus, und sie geht auf Luther zurück. Da fragt man sich, inwieweit man dort bei der Liturgiereform nach dem Konzil abgeschaut hat.

Als wir gestern auf das Sheirut zum Flughafen warteten (, wollten uns Taxifahrer (von Einzeltaxen) als Fahrgäste gewinnen und waren natürlich erbost, als wir sagten, dass wir mit dem Sheirut fahren. Angeblich sei das ja schon abgefahren, bekamen wir dann zu hören und sie würden uns auch „a really good price“ machen. Jaja...

Die Kontrollen am Flughafen für meine Freundin waren wieder intensiv. Ich habe dann später bei McDonalds erst einen Cheeseburger bestellt (Fehler, in Käse ist Milch drin, und Milch darf nicht mit Fleisch gemischt werden). Als ich dann zwei Hamburger bestellte, bekam ich zwei Riesenburger. Und dann mit vollem Magen ins Sheirut nach Jerusalem...

 

Werbung
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post