Das Ende naht
In nicht einmal zwei Monaten werde ich schon wieder in Deutschland sein. Pläne für ein Wiedersehen werden geschmiedet, die verbleibende Zeit will intensiv genutzt werden. Am Montag hörten wir im Rahmen der Vortragsreihe des Jerusalemer Instituts der Görres-Gesellschaft einen Vortrag über die Situation von religiösen Minderheiten im Iran. Die Tatsache, dass es immer mehr Konversionen zum Christentum gibt und Priester mehr oder weniger ungehindert wirken können, zeige eine nicht gedachte Toleranz im Iran, so der Iranist. Am Dienstag hielt Rupert Neudeck, Gründer von Cap Anamur, einen Vortrag über humanitäre Hilfe, die überall, nur nicht in Israel (aus Angst um die israelischen Helfer), wachse, und berichtete aus seinem vielfältigen humanitären Engagement. Als ich mit einer Kommilitonin durch das armenische Viertel ging, sprach uns ein älterer, (Ende 50) ultraorthodoxer Jude an. Hier das Gespräch, welches es verdient, festgehalten zu werden, in kurzer Form: Er: „You want to take a picture of me?” – “No.” Er hält einen leeren Becher in der Hand, ich denke, er will Geld, es wirkt alles nicht ganz „koscher“. Er: „You are from Russia?“ Das fragen Juden gerne und halten viele Leute für Russen. „No, Germany“. Keine antideutsche Reaktion, sondern: „Ah, Berlin?“ - „No.“ Die Frage nach Berlin kommt immer. „Are you married?“ – „No.“ Die falsche Antwort, wie sich zeigen wird, ab jetzt beachtet er mich kaum noch und redet nur mit ihr. Er: „I want to travel to Germany in the future.” - “Ah, nice.” - „So, I can come to you? Where do you live, which city?“ Sie: „Not in a city.“ Er: “Ah, on the land.” – “Yes.” „Are you Jewish?” – “No, Christian.” - “Oh, nice. Orthodox?” Wir verneinen, weil wir an christliche Orthodoxe denken, er meint aber, ob wir religiös sind. „So give me your address.” – „I don’t have a pen here.“ “You have brothers, sisters? How many?” … “Ok, where do you live here?” – “Close to that church.” (zeigt auf die Dormitio) – “Ok, I can come to the church?” (So etwas tun ultraorthodoxe Juden sonst nie!) – “Yes.” – “You have a pen in your room?” – “Yes.” – “Ok, then we go to your room, and you give me your address.” “No, we’re in a hurry now. Bye.“ Sie wird jetzt auch die Shlomo-Braut genannt... Am folgenden Tag gingen wir in die armenische St. Jakob-Kathedrale zu den Laudes um 6.30 Uhr. Da wir schon um 6.10 Uhr dort waren, ließ uns der Pförtner des armenischen Viertels in seinem Haus bei sich warten und zeigte uns stolz seine handbemalte Keramik, die er während seiner Wachzeiten bemalt. Am Donnerstag gingen wir ins Israel-Museum. Der riesige Komplex wurde 1965 errichtet und vereint sowohl archäologische Relikte als auch moderne Kunst, die er erfreulich unideologisch präsentiert. In der archäologischen Abteilung sahen wir viele wichtige Funde im Original, so z.B. einen Altar und die Dan-Inschrift, in der schon um 850 v. Chr. vom Haus Davids gesprochen wird, aber auch Kultgegenstände von europäischen Juden. Auf dem Gelände ist außerdem ein Modell von Jerusalem während des Zweiten Tempels zu sehen (was wir in Archäologie gelernt haben, sieht allerdings anders aus) und ein eigener Pavillon ist den Schriftrollen von Qumran sowie einer Bibelabschrift aus dem 10. Jh. gewidmet, die dort beide im Original gezeigt werden! Sogar die Textpassagen aus Qumran, die für meine Hausarbeit relevant sind, konnte ich dort entdecken. Am Samstag führte uns Prof. Hartenstein dann nochmals intensiv durch 9500 Jahre Ikonographie und Totenkult – von 10000 v.Chr. bis 500 v.Chr. - im Museum. Am Sonntag besuchte ich das Jerusalemer Stadtmuseum in der sog. Davidszitadelle in der Stadtmauer. Neben Ausgrabungen ist hier auch eine Ausstellung zur Jerusalemer Stadtgeschichte zu sehen. Diese folgt allerdings sehr biblisch geprägten Vorstellungen, die archäologisch nicht haltbar sind. Nachmittags machten wir alle zusammen Waffeln. In kleiner Runde haben wir schon mal spontan die Frage, was wir von der jeweils anderen Konfession mitnehmen, besprochen: Mich beeindruckt besonders die Bibelkenntnis der Protestanten, diesen wiederum haben es besonders der Weihrauch und die Heiligenverehrung angetan. Am Sonntagabend waren alle Lektoren und Ministranten zu einem Danke-Schön-Abend bei den Mönchen eingeladen – eine schöne Geste. Nächste Woche geht es auf Kreuzfahrer-Exkursion, wozu wir uns vorwiegend in Galiläa aufhalten. Am Freitag haben wir uns schon mit Referaten und dem Lied von Chris de Burgh eingestimmt: http://www.youtube.com/watch?v=9_8-RPpFy9A
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