Besuch von Erzbischof Rowan Williams
Im Moment hören wir Vorlesungen über Jesus von Nazareth aus jüdischer Sicht und Tod und Leben in den Psalmen.
Uns ist noch eine Katze zugelaufen: Im Garten des Klosters und in unserem Garten wohnen schon lange zwei Katzen, nun ist eine der vielen streunenden Katzen uns hierhin gefolgt und hat es vor allem auf die Wärme im Haus abgesehen.
Auf Exkursion ging es zur Mauer, die zur Kontrolle der Einreise von Leuten aus den Palästinensergebieten dient. Wir fuhren durch heruntergekommene arabische Städte und moderne, gründe, saubere Siedlungen von israelischen Siedlern. Die Siedlungen behindern die Palästinenser in ihrer Freizügigkeit und dienen u.a. der Kontrolle der Westbank.
Zur Zeit befindet sich Erzbischof Rowan Williams, das Oberhaupt der anglikanischen Kirche, auf einer privaten Heilig-Land-Reise. Er hatte für Mittwoch Abend ein Treffen mit allen hier residierenden Bischöfen in der Abtei initiiert, um über die Situation der (einheimischen) Christen im Heiligenland zu sprechen. Auch wir Studenten durften dazukommen und ihn sowie die Hierarchen anderer Kirchen kennenlernen! Ich habe ihm gesagt, dass ich es gut finde, dass er sich um die Einheit der Anglikaner so bemüht. Er: Oh, I try... Keep me in your prayer. http://www.dormitio.net/aktuelles/nachrichten/aktuelles.news.50/index.html
In einem Vortrag erzählte uns eine Mitarbeiterin einer Organisation für jüdisch-christlichen Dialog von ihrer Arbeit: Davon, dass Juden und Christen hier getrennt leben, andere Sprachen sprechen, sich beide als Minderheiten fühlen, den jeweils anderen schlecht verstehen können und das jüdische Denken über Christen fast ausschließlich durch die Geschichte von Verfolgungen geprägt ist. Ihre Organisation versucht, auf beiden Seiten bei sog. Multiplikatoren Grundlagenvermittlung über die jeweils andere Seite zu betreiben, sodass man den anderen verstehen kann. Sie selbst hat „komparative Theologie“ studiert – so heißt hier christliche Theologie.
Die Messe zu Darstellung des Herrn begannen wir mit der Kerzensegnung im Kapitelsaal und zogen dann, lateinisch das Nunc dimittis singend, in die Kirche ein.
Eine kleine Kuriosität: Als ich abends spazieren ging, fragten mich säkulare jüdische Jugendliche, wie sie zum Davidsgrab kommen und ich konnte es ihnen erklären.
Am Freitag hörten wir in kleiner und illustrer Gruppe den Rest der Führung durch die Grabeskirche. Mit 7 Studis, 5 Professoren, 2 Äbten, davon 1 mit Bischofsweihe und zwei weiteren Gästen schauten wir uns besonders den Golgatha-Felsen an. Da es um die Sterbestunde des Herrn war, mussten wir zweimal der Kreuzweggruppe der Franziskaner Platz machen. Als diese ihre Prozession gerade beendet hatten, begannen sofort die Armenier mit lautem Gesang ihre Prozession. Eine ähnliche Überlappung von verschiedenen Feiern beobachtete ich an der Klagemauer: Die Juden feierten, teils mit lauten Gesang und Tanz, Shabbat. Und dann wurden sie vom Muezzin der Al-Aqsa-Moschee oben drüber auf dem Tempelberg übertönt. So etwas gibt es nur in Jerusalem.
Zu den Laudes am Samstag zählt Psalm 150, der letzte Psalm, der ein großes Halleluja bildet. Wenn man ihn mit dem immer wieder eingeschalteten Halleluja singt, hört man im Kopf das volle Geläut einer Kirche, das dazu gut erschallen könnte, ähnlich wie beim Gloria in der Osternacht oder beim Te Deum bei großen Anlässen.
Am Samstag fuhren wir mit unserem „Hauszahnarzt“ in ein Jugendzentrum zum Fußball spielen. Er wurde in der Altstadt geboren („Our original house is in West-Jerusalem. But, you know, in 1948 something happened.“) und kennt dort jeden, wie wir feststellten. Seit 23 Jahren ermuntert er arabische Kinder zum Fußball spielen und organisiert es. Unter anderem spielten wir mit einem U19-Nationalspieler. Wir spielten auf einem richtigen Platz, mit Kunstrasen! Die Araber haben vorher wohl noch nie mit Mädchen Fußball gespielt. Es war ein tolles Erlebnis – Sport verbindet.
Am Sonntag besuchten wir erst die Heilige Messe bei den Melkiten, eine katholische Messe auf arabisch im byzantinischen (östlichen) Ritus. Sie feiern schon die Vorfastenzeit. Beeindruckend waren zum wiederholten Male die erhabene Wortwahl, der Gesang und zu sehen, dass dieser Ritus organisch gewachsen ist. All dies ist bei der Liturgieersetzung von 1970 in der neuen Form des römischen Ritus einfach abgeschafft worden. Schön war das Gebet, bevor die Gaben in den Altarbereich getragen wurden: Gott nehme uns an, wie er auch den verlorenen Sohn annahm. Hier wird deutlich, dass sich im heiligen Messopfer auch die Gläubigen selbst darbringen und verwandelt werden.
Danach gingen wir erst zum Platz aus römischer Zeit unter dem Damaskustor. Das römische Straßenniveau lag ca. 4m tiefer hier. Dann gingen wir, fast nebendran, in die Zidkija-Höhle. Aus einer kleinen Höhle wurde eine riesige Höhle gemacht, als man aus ihr Steine für den ersten Tempel nahm (so die Legende). Der Weg durch die Höhle ist 230 m lang, auch eine „Freimaurerhöhle“, in der diese Gruppe ihre Zeremonien hielt, durchquert man.
Spontan und zufällig bekamen wir Einlass in den maronitischen Konvent (östliche geprägte Katholiken aus dem Libanon), die eine schöne kleine, latinisierte Kirche haben (d.h. keine Ikonostase) sowie einen schönen Innenhof, um den herum ein Hotelbetrieb liegt.
Zur Feier des Sonntags gab es heute Sauerbraten.