Die Altstadt - abendliche Eindrücke
Am Montag Abend bin ich zum ersten Mal in die Altstadt gegangen, zusammen mit ca. 15 anderen jungen Leuten von hier. Vorweg: Diese Stadt ist verrückt und großartig. Und einzigartig ohnehin: Wo sonst kann man auf ein Dach eines Hauses (ganz legal, ganz öffentlich) steigen und von dort kann man den Felsendom sowie den Ölberg sehen!
Weiter ging es durch kleine Gänge über den Dächern, wo links und rechts Menschen wohnen, die Wege aber wirklich allgemeine Wege sind. Die Stadt ist sehr verschachtelt und besteht nach meinem Empfinden immer aus mindestens zwei Ebenen - so, wie man sich orientalische Städte vorstellt.
Auf der via dolorosa mit ihren Stationskirchen, die durch das arabische Viertel führt, sind links und rechts kleine Läden. Klein heißt wirklich klein, meist sitzen die Verkäufer davor und rauchen Shishah (Wasserpfeife). Weil Ramadan ist, sind die Straßen nachts noch lange belebt wie in Deutschland bei einer WM nach einem Deutschland-Sieg. Auf mehr oder weniger wild gewachsenen Märkten auf Treppen verkaufen Händler Plastikspielzeug wie auf der Kirmes oder haben eine riesige Auswahl an Obst und Gemüse.
Auf dem Rückweg haben wir zu zweit die Gruppe verloren. Das war nicht weiter schlimm, denn so konnten wir uns einiges genauer ansehen. Allerdings war es ein seltsames Gefühl, an jeder Ecke eine Gruppe bewaffneter Soldaten zu sehen. Einer hat uns dann den Weg zurück erklärt. Dabei schickte er uns wie selbstverständlich an der Klagemauer vorbei. So kam ich zu meinem ersten Besuch dort, nachts um 23.15 Uhr. Der Platz davor war belebt, ultraorthodoxe Juden (die das Stadtbild mehr prägen als ich gedacht habe) liefen umher, gingen immer wieder zur Klagemauer um zu beten, telefonierten zwischendurch auf dem Platz davor. Es gibt einen Aufgang zur Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg (da, wo bis zum Jahr 70 der Tempel der Juden stand), aber dieser ist natürlich gesperrt, auch Christen dürfen nicht auf den Tempelberg.
Außerdem habe ich das erste Mal Taybeh-Bier probiert. Taybeh ist ein christliches Dorf, das auch jedes Jahr ein Oktoberfest hat.
Fotos kann ich leider noch keine bieten, da ich bewusst das erste Mal ohne Fotoapparat losgezogen bin, um alles auch ungefiltert erleben zu können. Aber ich werde noch genug Gelegenheit haben, Fotos zu machen.
Soviel zu meinen ersten Eindrücken von Jerusalem.
Auf dem Rundgang gestern Abend habe ich mal wieder gemerkt, wie klein die Welt ist: Nicht nur, dass meine Mit-Studienjahrlerin Dominique über Nightfever und die Emmanuel-Gemeinschaft Bonner Theologen kennt, ich habe auch eine gerade fertig gewordene Geschichtsstudentin aus Bonn getroffen, die die gleichen Leute von Nightfever kennt.
Außerdem habe ich herausgefunden, dass zwei Farbenbrüder (vom Tübinger Wingolf sowie von K.B.St.V. Rhaetia zu München) hier mit mir studieren (d.h., zwei andere Verbindungsstudenten). Mal sehen, wen man sonst noch alles trifft.
Die Ritenvielfalt hier in Jerusalem ist schön, allerdings weiß ich gar nicht, wie ich die alle koordiniert abarbeiten soll...
Bald gibt’s mehr über die Abtei, die Liturgie und die Grundsätze des Studienjahrs!