Der Abt ist benediziert
Am Samstag besuchte ich das „Jason-Grab“ in einem jüdischen Wohngebiet mit einem Kommilitonen. Es stammt aus dem 1. Jh. v.Chr. und liegt mitten zwischen heutigen Wohnhäusern – kurios. Auf dem Rückweg kamen wir an der Residenz des Ministerpräsidenten vorbei. Als ich ein Foto machte, kam sofort ein Soldat, der mir sagte, dass ich das Foto löschen muss. Vor dem Haus campieren seit langem die Eltern des 2006 entführten Gilead Schalit – der Tageszähler zeigte 1924 Tage seit seiner Entführung. Aber es ist relativ sicher, dass er noch lebt.
Danach kam der spannendste Teil des Samstags: Wir fuhren zu sechst ins Westjordanland nach Taybeh. Das ist ein christliches Dorf, in dem deshalb auch Bier gebraut und getrunken wird. An diesem Wochenende steigt dort das Oktoberfest (es heißt wirklich genau so). Die Fahrt mit dem Bus bis Ramallah und dann mit einem Taxi bis Taybeh führte über abenteuerlich enge und natürlich dreckige Straßen. Hier ist mir erst aufgefallen, dass die Ampeln in Deutschland wohl geputzt werden.
Das Fest war geprägt von Essensständen (keine Buden, wie wir sie kennen, arabische Gerichte), 2-3 Zapfstellen (es gab nur das einheimische Bier, kein Weißbier, keine Maß, keine Kellnerinnen im schicken Dirndl) und in einer Halle von irgendwelchen Kooperativen und Vereinigugen für die Landwirtschaft, Frieden, Frauenförderung und dergleichen.
Auf einer Bühe spielte eine Hardrockband (warum keine baerische Blasmusik?). Die Toiletten waren ohne Möglichkeit sie abzuschließen, Toilettenpapier und Licht. Wir Deutschen haben einfach ganz andere Vorstellungen aus unserer Erfahrung heraus.
Das Gelände hatte lediglich ein Tor – in Deutschland wäre so etwas nie und nimmer erlaubt, aus gutem Grund. Und Polizei wär auch in höherem Maße da.
Die Rückfahrt gestaltete sich auch wieder abenteuerlich und spontan. Bis Ramallah fuhr ein Bus. Ab dort fuhren Menschen Touristen mit ihren Privat-Vans bis zum Checkpoint, also der Grenze von Westjordanland und Israel. Der Vater von einem unserer Chauffeure wohnte zufällig auch in Köln – wie immer, wenn man nach seiner Herkunft gefragt wird, ergibt es sich, dass der Fragende jemanden dort kennt.
Dann ging es zu Fuß durch den Checkpoint und dort in den nächsten Bus. Ob es ein System dahinter gibt, besonders bzgl. der Preise? Für mich zumindest war es nicht ersichtlich...
Aber die Araber sind trotz des Chaos alle gelassen, wahrscheinlich weil sie es einfach nicht anders kennen.
Eine Volontärin, die mit war, war DIE Attraktion schlechthin – sie hat blonde Haare, da schauten sich kleine Kinder mehrmals ungläubig um.
In der Nacht wurde auch in Israel die Uhr eine Stunde zurückgestellt (wie vor 2 Monaten schon im Westjordanland geschehen), sodass wir jetzt einen Monat lang Düsseldorfer Sommerzeit haben.
Am Sonntag Morgen ging ich mit ienem Kommiliton durch den Hiskija-Tunnel. Der liegt in der Davidsstadt, wurde vom König Hiskija um 700 v. Chr. erbaut und führt 533m unterirdisch durch Fels, um das Wasser von der Quelle geschützt in die damalige Stadt zu bringen. Er wurde von 2 Seiten aus gebaut, und die Arbeiter trafen sich! Mal ist er 5m hoch, mal nur 1,60m. Er ist eigentlich eine Einbahnstraße – in der Mitte trafen wir aber auf Jugendliche, die illegalerweise von der anderen Seite aus eingestiegen waren. Da wir alle dünn waren, schafften wir es, aneinander vorbeizukommen. Insgesamt eine beeindruckende Leistung der Leute von damals.
Nachdem am Donnerstag P. Mark, ehemealiger Rektor der Universität Stant’Anselmo in Rom, Mitglied in der katholisch-orthodoxen Dialogkommission u.v.a., seine Goldene Profess gefeiert hat (mit Erneuerung der Gelübde und Übergabe es Altenstabes, eines Stabes, auf den man sich stützen kann bis in den Tod), war am Sonntag der große Tag der Abtsbenediktion gekommen:
Dies gleicht vom Ablauf her einer Weihe, ist aber keine, da der Abt keine bischöflichen Vollmachten erhält, ihm wird „lediglich“ der Beistand Gottes für seine große Aufgabe zugesprochen.
Die Messe in der übervollen Kirche dauerte zweieinhalb Stunden. Gekommen waren neben Mönchen aus Abt Gregorys Heimatkloster in Irland die Botschafter in Israel und Vertreter in den palästinensischen Autonomiegebieten von Deutschland, Irland und dem Vereinigten Königreich. Außerdem waren Vertreter der EKD, der Anglikaner, der Kopten, der Armenier und anderer orthodoxer Denominationen anwesend. Auch der Vorstand des Ehemaligenvereins des Studienjahrs war vertreten. Die Benediktion wurde durch einen Weihbischof von Jerusalem vorgenommen, außerdem waren noch 2 andere katholische Bischöfe und ca. 40 konzelebrierende Priester dort. Vier Studienjahrler, darunter ich, und zwei Volontäre ministrierten. Es war eine große Aufgabe und Ehre und Freude, dort zu dienen. Wir mussten nicht nur eine Sedilie für den Bischof für die Benediktion an sich bringen (dumm nur, dass sich mein Gewand beim Abstellen der Sedilie unter dieser verklemmte...), sondern auch die Pontifikalien (Benediktsregel, Ring, Mitra, sie saß noch nicht ganz, Hirtenstab) herbeibringen und vieles mehr. Zum Schluss der Messe regneten Blüten aus dem Loch in der Kuppel.
Sogar irische Mönche kamen auf uns zu und sprachen uns Anerkennung für die Leistung in der Messe aus!
Beim anschließenden rauschenden Fest brachten wir dem Atb ein Ständchen dar, außerdem sang eine Freundin von ihm, die in Irland als Sängerin bekannt ist, und auch P. Elias spielte mit Günter, der guten Seele für alles, verkleidet als „Jerusalemer Herzbuben“ („Gregory, Du musst nicht traurig sein“), Juden und Iren umgedichtete Weisen. Die Stimmung
Ich traf die Benediktiner aus Abu Gosh wieder, die mich fragten, wann ich wiederkomme, und außerdem zwei Priester, die Cartellbrüder sind – wie viel doch so eine Nadel am Revers ausmacht!
Der Abend klang gemütlich auf dem Dach unseres Hauses mit Getränken auf Kosten des Vorstands des Heilig-Land-Vereins (dem das Kloster gehört) aus.
Unser Ivrit-Lehrer wollte uns heute beibringen, dass man den Laut entsprechend dem deutschen „ch“ immer wie nach dunklen Vokalen (z.B. „Ach“) ausgesprochen wird. Er sagte: „Wie im Schwitzerdütsch!“ :D